Jesus Christus, als der wahre Gott, der in der Eucharistie wahrhaftig gegenwärtig ist, ist für uns die einzige Quelle des Lebens. Nur wenn wir uns im Glauben mit Ihm vereinen, stillen wir unseren wahren Hunger – den Hunger nach Gott – und erfahren schon hier auf Erden einen „Vorgeschmack des Himmels“.
Die Eucharistie als Zentrum des Lebens eines Christen
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, welch großes Geschenk die Messe sowohl für die Kirche als auch für die gesamte Menschheit darstellt. Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. In ihr ist das ganze geistliche Gut der Kirche enthalten – Christus selbst (vgl. KKK 1324). „Durch die Sakramente der Buße und der Eucharistie haben wir die Möglichkeit der persönlichen Begegnung mit Christus und der Teilhabe an seinem endgültigen Sieg über Tod, Satan und Sünde. In der Eucharistie, die wir im Glauben und mit reinem Herzen empfangen, erhalten wir, wie der heilige Johannes Paul II. sagt, ‘Medizin der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod‘“ (Ecclesia de Eucharistia, 18). Die Eucharistie ist also nicht eine von vielen kostbaren Gaben, sondern das größte Geschenk, das wir von Christus erhalten haben. In der Eucharistie hat uns Christus „die Gabe schlechthin gegeben, da es die Gabe seiner selbst ist, seiner Person in seiner heiligen Menschheit wie auch seines Erlösungswerkes“ (EE 11). […] „Wenn wir im Gebet einen persönlichen Kontakt mit Gott aufnehmen, wenn wir ihn mit reinem Herzen in der Eucharistie empfangen, wenn wir ihn im Allerheiligsten Sakrament anbeten, erlauben wir ihm, uns mit seiner Liebe vom Egoismus zu befreien, uns zu lehren zu lieben und durch uns in einer Welt zu handeln, die in die Sklaverei der Sünde und der Mächte des Bösen gestürzt ist“ (M. Piotrowski, Eucharistie – das größte Geschenk, „Liebt einander!“, 4/2018).
Die heilige Thérèse von Lisieux hob hervor: „Wenn die Menschen den Wert der Eucharistie kennen würden, müssten Ordnungsdienste den Verkehr am Eingang der Kirchen regeln“ – so viele Menschen würden sich dann an den Toren der Kirchen drängen, die sich danach sehnen, aus der Quelle des wahren Glücks zu schöpfen. Wenn Materialismus und Atheismus uns die Wahrheit über Gott verdecken, dann sollten Personen, die von der Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wurden – Heilige und Selige – unsere Wegweiser auf den schwierigen Pfaden des Glaubens sein.
Ein außergewöhnliches übernatürliches Phänomen, das die reale Präsenz des lebenden und wahren Jesus im Sakrament der Eucharistie bezeugt, ist das als Inedia bekannte Phänomen, das einige Mystiker betrifft, die sich über viele Jahre hinweg lediglich von der konsekrierten Hostie ernährten. Zu den wenigen Mystikern, die diese Gabe erhielten, gehörten die Dienerinnen Gottes Marta Robin und Teresa Neumann sowie die selige Alexandrina da Costa. Diese Mystikerinnen nahmen mehrere Jahrzehnte lang, außer der Heiligen Kommunion, keine Speisen oder Getränke zu sich. Gott wollte, dass sie auf so „greifbare“ Weise die Wahrheit der Worte Jesus bezeugen: „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,48-51).
Die Realpräsenz des Herrn Jesus im Sakrament der Eucharistie wird auch durch die zahlreichen eucharistischen Wunder bezeugt, die sich im Laufe mehrerer Jahrhunderte an verschiedenen Orten der Welt ereignet haben. Einige von ihnen (z. B. die Wunder von Lanciano, Buenos Aires, Sokółka, Legnica) wurden unter Verwendung moderner wissenschaftlicher Geräte eingehend untersucht, und die Forschungsergebnisse lieferten überraschende Erkenntnisse: Die erhaltenen Fragmente der geweihten Hostien bestanden vollständig aus menschlichem Herzgewebe – lebendigem – obwohl in Agonie. Besonders außergewöhnlich war das eucharistische Wunder von Lanciano, das bereits im 8. Jahrhundert stattfand. Neben einem vollständigen menschlichen Herzen haben sich bis heute auf unerklärliche Weise auch fünf Klumpen geronnenen Blutes erhalten. Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich um echtes menschliches Blut der Gruppe AB handelt (eine seltene Blutgruppe, die am häufigsten bei Juden vorkommt, sehr verbreitet in Palästina zur Zeit Christi). Bemerkenswerterweise identifizierten Wissenschaftler dieselbe Blutgruppe auf den Reliquien der Passion Jesu – dem Turiner Grabtuch sowie dem sogenannten Sudarium von Oviedo, also dem Tuch, in das, nach der Tradition, Christi Haupt nach seinem Tod gewickelt wurde.
Hunger nach der Eucharistie
Es ist wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass für die meisten frühen Christen die Eucharistie weniger eine Pflicht sondern vielmehr eine Ehre und eine Freude war. Sie haben darauf nicht verzichtet, selbst wenn es sie das Leben gekostet hätte. So war es während der Verfolgungen unter Kaiser Diokletian. Als die eucharistischen Versammlungen unter Androhung schwerster Strafen, einschließlich der Todesstrafe, verboten wurden, verzichteten viele nicht auf die sonntägliche Eucharistie.
Auch in der heutigen Zeit gibt es Beispiele für das heldenhafte Verhalten von Gläubigen und insbesondere von Geistlichen, die ihr Leben riskieren, um an der Feier der Eucharistie teilzunehmen (dies ist in vielen Ländern Afrikas oder Asiens der Fall). Besonders bemerkenswert war in dieser Hinsicht die Haltung zahlreicher katholischer Priester, die, während des Zweiten Weltkriegs, in verschiedenen Konzentrationslagern heimlich die Heilige Messe zelebrierten, obwohl ihnen dafür die Todesstrafe drohte.
Ich stelle hier einige bemerkenswerte Zeugnisse von Menschen vor, die aus tiefem Glauben, aus Sehnsucht nach Gott und aus Liebe zu Jesus in der Eucharistie, in der Lage waren, menschlich betrachtet unüberwindbare Grenzen und Hindernisse zu überwinden und sogar übermenschliche Anstrengungen zu unternehmen, nur um an der Heiligen Messe teilnehmen zu können.
Vor 15 Jahren bemerkten Mitglieder der Kongregation der „Armen Schwestern der Verlassenen Alten” in Chissano, Mosambik, eine 25-jährige Afrikanerin namens Olivia, die jeden Sonntag vier Kilometer zurücklegte, um an der Eucharistie teilzunehmen. Daran wäre wahrscheinlich nichts Ungewöhnliches, doch hat diese junge Frau keine Beine. Die lange Strecke zur Kirche legte die behinderte Olivia kriechend auf dem von der Sonne erhitzten Sand zurück, der ihre Hände schmerzhaft verbrannte. Der Wunsch, an der Messe teilzunehmen, war jedoch stärker als die Unannehmlichkeiten, Unbequemlichkeiten, Schmerzen und Leiden. Als die Chissano-Schwestern das krabbelnde Mädchen zum ersten Mal sahen, waren sie schockiert, dass ein Mensch zu solch einem großen Opfer fähig sein konnte. Noch größer war ihre Überraschung, als sie nach der Motivation der jungen Afrikanerin fragten. Es stellte sich heraus, dass ihr Verhalten nicht aus dem Wunsch resultierte, die Heilige Kommunion zu empfangen, da Olivia nicht einmal getauft war und daher nicht zur Kommunion gehen konnte! Die Frau erklärte, dass sie sehr daran interessiert sei, an der Messe teilzunehmen, da sie wisse, dass dort Gott gegenwärtig ist, der sie mit Freude erfüllt und sie glücklich macht. Die Chissano-Schwestern halfen Olivia bei der Vorbereitung auf das Sakrament der Taufe. Bewegt von der Haltung des Mädchens berichten die Schwestern: „Olivia hat ein außergewöhnliches Zeugnis der Beharrlichkeit und des heldenhaften Glaubens abgelegt.“ Olivia wurde katholisch und einer der Wohltäter der Schwesternkongregation schenkte ihr einen Rollstuhl (Czołgała się, by uczestniczyć w Mszy św. [dt.: Sie kroch, um die Messe zu besuchen], „Gość Niedzielny“, 36/2008).
Die bewegende Geschichte von Olivia erinnert an eine andere, ebenso ergreifende, Episode aus dem Leben des heiligen Rafqa aus dem Libanon. Eines Jahres, am Morgen des Fronleichnamsfestes, äußerte diese Nonne den tiefen Wunsch, an der Eucharistie teilzunehmen, an der sie wegen ihrer Krankheit (sie war blind und gelähmt) nicht teilnehmen konnte. Die Priorin stellte eine Bedingung: Schwester Rafqa musste sich hinsetzen, damit die Nonnen sie in die Kirche bringen konnten. Die Nonnen versuchten also, die Schwester zu setzen, doch ihre Bemühungen waren vergeblich. Als der Priester mit der Liturgie begann, sahen plötzlich alle die mühsam kriechende Schwester Rafqa, die um jeden Preis versuchte, die Schwelle der Kirche zu überschreiten. Bei ihrem Anblick begannen die bewegten Schwestern zu weinen. Rafqa hingegen war glücklich, Jesus an diesem besonderen Fest in der Eucharistie zu empfangen. „Ein anderes Mal kam eine Schwester, die für die Versorgung zuständig war, zur Priorin und sagte: ‘Schwester Rafqa hat heute weder gefrühstückt noch zu Mittag gegessen, und es ist schon Nachmittag’. Daraufhin ging die Priorin zu ihr und fragte sie nach dem Grund für dieses Fasten: ‘Bist du vielleicht krank, dass du das Essen ablehnst?’. Sie antwortete: ‘Nein, ich fühle mich wohl […]. Heute, als der Priester mir die Hostie in den Mund steckte, hörte ich eine Stimme, als ob sie in meiner Seele zu mir sprechen würde: ‚Koste und sieh, wie gut der Herr ist‘. Dann nahm ich sie an und aß sie. Ich spürte einen Geschmack und einen wunderbaren Duft und eine unvergleichliche Freude, die man nicht beschrieben kann. Ich spürte auch eine außergewöhnliche Kraft, die mich dazu brachte, aus dem Bett aufzustehen. Ich wünschte, ich hätte Flügel, auf denen ich fliegen könnte. Aus Angst, diesen süßen Geschmack und den wunderbaren Duft zu verlieren, verzichtete ich auf das Essen.’“ (B. Grysa, W zjednoczeniu z Twoimi cierpieniami, Jezu [dt.: In Einheit mit Deinen Leiden, Jesus], „Liebt Einander!“, 2/2021).
Ähnliche Umstände begleiteten eine wundersame Heilung, die sich 1929 in Jasna Góra (Polen) ereignete. Michał Bartosiak war ein polnischer Arbeiter, der in einem französischen Dorf beschäftigt war. An einem Julitag des Jahres 1920 hatte er bei der Erntearbeit einen Unfall, bei dem er eine Lähmung der unteren Gliedmaßen erlitt. Mehrjährige Aufenthalte in französischen Krankenhäusern konnten seinen Gesundheitszustand nicht verbessern. Die besten Ärzte nahmen sich dieses rätselhaften Falles an. Sie setzten die modernsten Behandlungsmethoden ein (Quarzlampenbestrahlung, Massagen usw.). Doch Bartosiaks Beine blieben gelähmt. Im Jahr 1927 wurde er für unheilbar krank erklärt und nach Polen zurückgeschickt. Auch die Ärzte des Krankenhauses in Danzig erklärten seinen Zustand einstimmig für unheilbar. Der Patient wurde daher in eine Anstalt in Gostyn verlegt. Die Nonne Irena Nesterowicz, die sich dort um ihn kümmerte, notierte dazu: „Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass Bartosiak neun Jahre lang ein Krüppel gewesen ist. […] Das belegen die aus Frankreich zugesandten Unterlagen. […] Er war seit 1927 in meiner Obhut; er konnte sich nicht so lange verstellen, das wäre unmöglich. Er kroch die ganze Zeit auf einem Brett, seine Beine waren steif und völlig tot, es war schwierig, Blutstropfen in ihnen zu finden, er hatte überhaupt kein Gefühl – man konnte ihn mit einer Nadel stechen, er fühlte keinen Schmerz“. Bartosiak war ein Mann in den besten Jahren, gerade über fünfzig, der vor dem Unfall mit seinem unmoralischen Leben prahlte. Sein Verhalten im Heim war sehr unangenehm. Er konnte sich nicht mit seiner Krankheit abfinden. Er war verbittert und unfreundlich zu den Menschen. Er betrachtete sich als erklärten Sozialisten, lästerte, spottete über Heiligkeit und verursachte oft so viel Ärger, dass die Polizei gerufen werden musste. Er bewegte sich fort, indem er auf speziell angefertigten geraden Brettern saß. Plötzlich, wahrscheinlich als Folge der Gebete der Schwestern, kam es zu einer unerwarteten Veränderung. Ab April 1929 erlebte Bartosiak allmählich eine Bekehrung. Er begann, ein heiliges Leben zu führen und versuchte, sein bisheriges anstößiges Verhalten zu korrigieren. Im Juni äußerte er den Wunsch, Jasna Góra zu besuchen. Zwei Monate lang betete er unablässig, fastete zweimal in der Woche bei trockenem Brot und erzählte allen, dass er fest daran glaubte, geheilt zu werden. Eines Tages wurde eine Pilgerfahrt nach Jasna Góra organisiert. Als Bartosiak davon erfuhr, wollte er unbedingt nach Częstochowa fahren. Man wollte ihn jedoch nicht mitnehmen. Er war jedoch fest entschlossen. Er setzte sich auf die Gleise vor dem Zug und erklärte, dass er nicht von dort weggehen würde, wenn ihn die Pilger nicht mitnähmen. Am 14. August, dem Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt, befand sich Bartosiak in Częstochowa. Um 3.30 Uhr morgens machte er sich auf den Weg nach Jasna Góra. Er bewegte sich langsam auf einfachen Brettern vorwärts. Für die Strecke vom Bahnhof nach Jasna Góra brauchte er vier Stunden. Schließlich erreichte er die Kapelle des wundertätigen Bildes. Plötzlich, während die konsekrierte Hostie in die Höhe gehoben wurde, gab es in der Kapelle eine Unruhe. Ein Schauer durchzuckte den gepeinigten, gelähmten Körper, eine unsichtbare Macht hob den Kranken auf, die Bretter fielen weg und das Gefühl in den Beinen kehrte zurück. Der gelähmte Mann erlebte eine vollständige Heilung (vgl. Wunder und Gnaden, die durch die Muttergottes von Jasna Góra in der Vergangenheit und heute bewirkt wurden). Bemerkenswert ist, dass die Gnade der Heilung den Krüppel im Moment der Erhebung berührte – als wollte Gott in besonderer Weise bezeugen, dass er tatsächlich im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig ist, durch das er wirkt, Gnade spendet und heilt.
Die Gnade des sakramentalen Lebens schätzen lernen
Die Indianer im hohen Norden Kanadas leben in Dörfern, die manchmal mehr als 400 km voneinander entfernt sind. Es kommt vor, dass nur ein Missionar in diesem Gebiet tätig ist. Daher müssen die Indianer, um an der Sonntagsmesse teilnehmen, beichten und die Heilige Kommunion empfangen zu können, diese Entfernung mit dem Flugzeug zurücklegen! In Frankreich wiederum muss man manchmal Dutzende von Kilometern fahren, um einen Priester zu finden (z. B. um das Sakrament der Beichte zu empfangen). Deshalb sollten wir schätzen, welch große Gnade es ist, täglich an der Eucharistie und dem sakramentalen Leben teilnehmen zu können. Danken wir dem lieben Gott dafür, dass wir den katholischen Glauben bekennen können. Danken wir auch für die Priester, die ihr Amt ausüben und die von Christus eingesetzten Sakramente spenden. Wir sollten dies zu schätzen wissen und nicht der Versuchung der Routine oder des Überdrusses am sakramentalen Leben erliegen.
Der Diener Gottes, Pater Francis Blachnicki, äußerte sich ebenfalls zum Leben in der heiligmachenden Gnade und zur regelmäßigen Teilnahme an der Heiligen Kommunion. Er verglich den durchschnittlichen Christen, der sich auf das vom Gebot vorgeschriebene Minimum beschränkt, mit einem Frosch, der sich einmal im Jahr aus dem Schlamm lehnt, um Luft zu holen. Viele Menschen empfinden es als normal, im Zustand der Sünde zu leben und dabei nicht die Möglichkeit zu haben, die Heilige Kommunion zu empfangen, während die eigentliche christliche Normalität doch im Leben in der heiligmachender Gnade und, sofern möglich, in der regelmäßigen geistigen Nahrung durch die Eucharistie besteht.