Gott und die Musik haben uns zusammengebracht

Marzena und Zbigniew Małkowicz, LUMEN Ensemble für geistliche Musik

Für mich ist die Musik ein Beweis für die Existenz Gottes. Kombiniert mit tiefgründigen spirituellen Texten kann sie den Zuhörer bewegen und die tiefsten Schichten der menschlichen Seele erreichen

Der Moment meiner Bekehrung im Alter von 19 Jahren ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Zuvor, als Teenager, hatte ich den Glauben an Gott abgelehnt, weil mir die Gebote bei der Gestaltung meines Lebens “im Weg” standen. An jenem schicksalhaften Tag stellte mir jemand die Frage: “Woran glaubst du dann, wenn du nicht an Gott glaubst?” Mir wurde klar, dass es absurd war, an nichts zu glauben. Schließlich kann ich die Welt um mich herum sehen, ich kann meine Existenz spüren. Die Annahme, dass all dies (z. B. die fortgeschrittene Weltraumtechnologie, ganz zu schweigen von deren Schöpfer – dem Menschen) zufällig entstanden ist, erschient mir daher völlig unlogisch, man müsste nicht bei Sinnen sein, um so zu denken.

Meine Bekehrung fiel zeitlich mit der ersten Pilgerreise des Heiligen Johannes Paul II. nach Polen im Jahr 1979 zusammen. Als ich begann, den Lehren des Heiligen Vaters zuzuhören, und sah, wie Millionen von Gläubigen durch seine Botschaft bewegt wurden, griff ich erneut zum Evangelium. Ich entdeckte, dass die Worte Jesu das ausdrückten, was Gott tief in meinem Herzen verankert hatte. Von da an nahm die ganze Welt um mich herum fantastische Farben an. Ich empfand eine große Freude. Dieses Licht der Wahrheit, das ich damals empfing, ist bis heute in mir geblieben wie ein kostbarer Diamant, der im Sonnenlicht glänzt.

Meine Freunde ermutigten mich, meine musikalischen Fähigkeiten in den Dienst Gottes zu stellen. Die von unserer Gruppe an der Katholischen Universität in Lublin gegründete Musikband wurde bekannt und erhielt von überall her Worte der Anerkennung und Dankbarkeit. Einmal konnte unsere Sängerin Urszula bei einem wichtigen Konzert nicht singen, und es musste ein Ersatz gefunden werden. Die junge 16-jährige Marzenka nahm die Herausforderung an und erwies sich als äußerst vielseitig begabte, charmante, mutige und tief religiöse Person. Wir verliebten uns ineinander. Nach fünf Jahren des Zusammenseins heirateten wir am 24. August 1985 in der Kathedrale von Zamość. Marzenka ist die Person, die von der Vorsehung für mein Leben bestimmt wurde: Sie sah viel mehr Gutes und Talent in mir als ich selbst. Sie unterstützte mich in allen schwierigen Momenten und tut dies auch heute noch. Dennoch muss ich mit Nachdruck anerkennen, dass die Tatsache, dass unsere 38-jährige Ehe alle Stürme siegreich überstanden hat, einzig und allein auf unseren Glauben an Gott zurückzuführen ist. In schwierigen Momenten, wenn ich mich missverstanden oder ungerecht behandelt fühlte, betete ich mit den Worten: „Ich opfere dir das auf, Gott, meine einzige Hoffnung, und du tust damit, was du willst“.

LUMEN, Ensemble für geistliche Musik

Meine Frau und ich haben uns beruflich verwirklicht: Wir arbeiteten unter anderem am heutigen Theater Roma in Warschau sowie an anderen musikalischen Einrichtungen im Land (und ich verbrachte auch einige Jahre im Ausland). Dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass Gott etwas mehr von mir erwartete. Ich hatte die Überzeugung, dass in meinem Leben noch etwas geschehen sollte. Als ich 40 Jahre alt wurde und die Angst in mir wuchs, dass Gott mich eines Tages fragen würde: „Was hast du mit den Gaben gemacht, die ich dir gegeben habe?“, dachte ich, dass ich es mit religiöser Musik versuchen sollte. Wenn dabei nichts herauskommt, könnte ich Gott wenigstens antworten: „Ich habe es versucht“. Doch es gelang! Das von mir und Marzena gegründete Ensemble für geistliche Musik LUMEN, das dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, hat mit seiner Musik Tausende Menschen in Polen und weltweit erreicht. Das Fundament des Ensembles war und ist immer die Familie. Neben meiner Frau und mir singt unsere Tochter Aleksandra Małkowicz-Figaj in der Band, Sohn Michał Małkowicz spielt Schlagzeug, und Schwiegersohn Marcin Figaj spielt den Bass. Viele hervorragende Sänger und Instrumentalisten arbeiten ebenfalls mit uns zusammen. Wenn Sie sich für die Band interessieren, besuchen Sie bitte www.pop-oratorium.pl. Hier möchte ich unsere Platten- und Konzertprojekte erwähnen: das Pop-Oratorium „Miłosierdzie Boże“ (Barmherzigkeit Gottes) und „Moja Miłość“ (Meine Liebe)nach den Worten der heiligen Faustina, die „Psalmy Dawida“ (Psalme Davids) basierend auf dem biblischen Buch der Psalmen, marianische Projekte wie „Przy Sercu Twoim“ (In deinem Herzen) und „Matko, która nas znasz“ (Die Mutter, die uns kennt), eine Evangelisierungs-CD mit der Bewegung der Reinen Herzen „Błogosławieni czystego serca” (Selig, die reinen Herzens sind) und das neueste Pop-Oratorium mit Worten der heiligen Teresa von Ávila „W Chrystusie ufność moja“ (In Christus ist mein Vertrauen).

Das Leben und die Werke der heiligen Teresa von Ávila beeinflussen mich stark seit etwa 10 Jahren. Ich habe alle ihre Werke gelesen und halte sie für den Höhepunkt der christlichen Mystik. Zu etwa einem Dutzend Gedichte der spanischen Karmelitin habe ich Musik komponiert, und die heilige Teresa ‚dankt’ es mir großzügig mit ihren Gedanken und Ratschlägen, die mir Kraft zum Leben und zum Arbeiten für die göttliche Majestät geben. Aus heiterem Himmel, durch die Vorsehung Gottes, entstand auch das Wort-Musik-Stück „Zamek wewnętrzny. Mieszkania pierwsze“ (das innere Schloss. Die erste Wohnung) nach den Worten der heiligen Teresa. In diesem Stück verkörpert meine Frau die Heilige und vermittelt die tiefsten mystischen Inhalte nicht nur durch gesprochene Worte, sondern auch durch Gesang, verbunden mit Tanz- und Bewegungselementen (was manchmal an ein Musical erinnert). Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Glaubwürdigkeit der Botschaft durch Marzenas tiefen Glauben noch verstärkt wird. Ich kann mir niemand anderen in dieser Rolle vorstellen.

Glaube und Musik

Auf dem Weg, religiöse Musik zu schaffen und aufzuführen, hat Gott mich oft bestärkt, indem er mir verschiedene Zeichen gab. Das Komponieren von Musik stärkt meinen Glauben sehr. Bei der Auswahl der Texte für die Lieder suche ich meist nach solchen, die inbrünstige Gebete sind. Es handelt sich oft um schöne Gedichte von Heiligen oder Bibelzitate. Das Musikschaffen ist für mich ein wunderbares Gebet und eine Annäherung an den Schöpfer. Ich komponiere in großer Demut, manchmal auf den Knien, denn ich habe oft festgestellt, dass Inspiration nur von Gott kommen kann und sie sein Geschenk ist. Uns, den Mitgliedern der Band, ist es am wichtigsten, in diesen schwierigen Zeiten in anderen Menschen dieses Licht (lumen) zu entzünden, dessen Quelle Gott ist. Auf dieses Licht haben wir uns bezogen, als wir unserer Band den Namen Sakralmusikensemble LUMEN gaben. Zahlreiche Zeugnisse von Menschen, die von der Musik von LUMEN berührt wurden, sind für uns ein Zeichen, dass Gott möchte, dass wir diesen Weg weitergehen, zu dem er uns berufen und befähigt hat.

Im Evangelium sagt Jesus: „Sucht aber zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben” (vgl. Mt 6,33). In meinem Leben haben sich diese Worte zu hundert Prozent bewahrheitet. Die meisten Konzertangebote kamen plötzlich, ohne mein Zutun. Meistens geschah es so, dass, wenn ich zum Beispiel Musik komponierte oder mich anderweitig in die Aktivitäten der Band LUMEN einbrachte, plötzlich das Telefon klingelte und mir jemand ein Konzertangebot machte. Auf diese Weise kamen die außergewöhnlichsten Auftritte zustande. Hätte mir jemand gesagt, dass meine Kompositionen in den Medien erklingen würden oder dass wir Konzerte auf der anderen Seite der Erdkugel haben würden, hätte ich ihm gesagt, er solle sich an die Stirn tippen… Aber all das ist mehrmals geschehen!

Die Bewegung der Reinen Herzen

Vor einigen Jahren stellte Gott mir den charismatischen Priester Pater Mieczysław Piotrowski TChr. auf den Weg. Die Leiden, die dieser Priester bei der Verwirklichung zahlreicher evangelisierender Werke erfährt, kann ich nur mit den Leiden der meisten Heiligen vergleichen, die Gott gedient haben. Dieser Priester schlug mir vor, die Vorbereitung der Jugend auf die Eucharistie, die Anbetung und die Lobpreisungen bei den Exerzitien der Bewegung der Reinen Herzen vorzubereiten. Ich gebe zu, dass ich anfangs Angst davor hatte und mich nicht in dieser Rolle sah. Ich dachte: „Warum brauchen junge Menschen einen älteren Typen wie mich? Es gibt doch immer talentierte Leute, die Instrumente spielen und die anderen erfolgreich führen können.“ Nach einigen Jahren sehe ich, dass ich mich geirrt habe. Junge Leute lassen sich von meiner Leidenschaft und meinem Engagement mitreißen. In zahlreichen Gesprächen mit mir drücken sie ihre Dankbarkeit aus. Die größte Freude bereiten sie mir jedoch, wenn ich sehe, wie sie „meine“ Lieder mit Engagement singen und so zum Schöpfer beten. Bei den Exerzitien singen wir sowohl traditionelle Lieder, bekannte Jugendlieder als auch Lieder der Band LUMEN. Nach der liturgisch-musikalischen Vorbereitung können die Mitglieder der Bewegung der Reinen Herzen die Eucharistie und die Anbetung besser erleben. Ich danke Gott sehr, dass er mich befähigt hat, mit jungen Menschen zu arbeiten, denn sie werden unseren Glauben in die Zukunft tragen und auch für die Gestaltung unserer Gesellschaft verantwortlich sein.

Das Boot des Lebens

Für mich ist die Musik ein Beweis für die Existenz Gottes. Kombiniert mit tiefgründigen geistlichen Texten kann sie den Zuhörer bewegen und die tiefsten Schichten der menschlichen Seele erreichen. Das Erstaunliche ist, dass so viele Werke große Komponisten, die zum Teil schon seit Hunderten von Jahren tot sind, immer noch Bestand haben und wir sie immer wieder wahrnehmen und erleben. Sie sind unsterblich, genau wie ihre Schöpfer.

Seit einiger Zeit frage ich Gott, sobald ich aufwache, mit den Worten der heiligen Teresa, zu denen ich die Musik geschrieben habe: „Dein bin ich für immer, Herr, von Dir habe ich mein Leben genommen; sage mir, bitte, mein Gott, was willst Du, dass ich tue?“. Dann höre ich genau hin, welche Gedanken mir in den Sinn kommen, was Gott davon gefallen könnte – und so plane ich jeden neuen Tag. So möchte ich nach Gottes Willen auch den Rest meines Lebens planen.

In Zeiten großer Verwirrung, Unsicherheit, Kriegsgefahr, allgegenwärtigen Relativismus und Infragestellung des Evangeliums fühlen sich meine Frau und ich, als würden wir auf einem stürmischen Meer segeln. Doch unser Boot ist sicher, weil es auf der Liebe zu Gott und der gegenseitigen Liebe gebaut wurde. Am besten veranschaulichen dies die Worte der heiligen Faustina, zu denen ich das Lied „Boot des Lebens“ geschrieben habe: „Mitten im Heulen und Tosen der Wellen fahre ich ruhig, mit Vertrauen. Und ich schaue wie ein Kind ohne Angst in die Ferne, denn Du, Jesus, bist mein Licht.“ Amen

Zbigniew Małkowicz

LUMEN Ensemble für geistliche Musik
www.pop-oratorium.pl