Er fand den wertvollsten Schatz

Im Sommer 1964 ereignete sich im Leben des 24-jährigen Studenten Vittorio Messori eine radikale Veränderung. Ganz greifbar erfuhr er die Existenz Gottes. Vom Agnostiker wurde er zu einem der bedeutendsten zeitgenössischen Apologeten (Verteidiger Anm. d. Übers.) der katholischen Kirche, einem berühmten Schriftsteller und Journalisten, dessen Bücher weltweit Bestsellerlisten anführen.

Die Bekehrung – so behauptet Messori in seinem Buch „Perché credo. Una vita per rendere ragione della fede“– (auf Deutsch nicht erschienen- Anm. d. Übers.) ereignete sich ohne sein Zutun. Es war ein „geheimnisvolles Geschenk“, das ihm in Form eines Angebots dargebracht wurde. Natürlich hätte er dieses Geschenk ablehnen und „nein“ sagen können, aber dann wäre er, mit seinen eigenen Worten, „ein richtiger Esel gewesen, der nicht nur sein Herz, sondern auch seine Augen verschließt und das Offensichtliche ablehnt. Und damit sein Gewissen mit einer enormen Bürde an Gewissensbissen belastet“.

Der Glaube an Jesus Christus ist für Messori ein so kostbarer Schatz geworden, dass er heute bereit ist, sein Leben für dessen Verteidigung zu geben. Er würde lieber sterben, als Christus zu verleugnen. Mit voller Aufrichtigkeit gestand er, dass, wenn jemand eine Pistole an seinen Kopf halten und drohen würde, den Abzug zu drücken, wenn er das Evangelium nicht verleugnet und nicht zugibt, dass es eine große Illusion und ein Mythos ist, er dann den Tod wählen würde. Er könnte nichts leugnen, was im katholischen Glaubensbekenntnis steht.

Kindheit und Ausbildung

Vittorios Eltern waren ehrliche Menschen, ohne Laster, die ihre Pflichten gewissenhaft erfüllten. Jedoch waren sowohl sie als auch ihre engsten Verwandten aggressiv kirchenfeindlich und agnostisch, so dass sie alles ablehnten, was mit Religion zu tun hatte. Obwohl sie sich von der Kirche fernhielten, ging Vittorio zur Erstkommunion und empfing am selben Tag auch das Sakrament der Firmung. Diese Entscheidung seiner Eltern war auf den vorherrschenden Glauben zurückzuführen, dass Kinder zu den Sakramenten geführt werden sollten, um sie vor Unglück zu bewahren.

Nach dem Empfang der Erstkommunion hatte Vittorio keinerlei Kontakt mit der Katechese und der Kirche. Er wuchs in einer säkularen, antikirchlichen und antiklerikalen Kultur auf. Lange Zeit war dem Jungen nicht bewusst, dass es in dieser säkularen Kultur, die sich selbst als offen, frei und kritisch bezeichnete, nicht möglich war, Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Todes, nach dem Völkermord in der Vendée oder nach den Millionen blutiger Opfer der Französischen Revolution zu stellen.

Vittorio besuchte das Gymnasium und die Oberschule Massima d‘Azeglia im historischen Zentrum von Turin. Es war eine Schule für Kinder aus den einflussreichsten Familien der Stadt. Unter anderem besuchten sie die Kinder der Familie Agnelli, den Besitzern der Fiat-Werke. In dieser Schule wurde der Fußballverein Juventus gegründet und der berühmte Verlag von Giulio Einaudi, der liberale und marxistische Ideologien verbreitete. Diese Schule zog Agnostiker und Atheisten heran, Anhänger des Rationalismus, die der katholischen Kirche gegenüber abgeneigt oder sogar feindlich gesinnt waren. Dort herrschte strikter Agnostizismus, und es war verboten, über religiöse Fragen zu sprechen. So war das Umfeld, in dem Vittorio aufwuchs und erzogen wurde, völlig verschlossen gegenüber religiösen Angelegenheiten und feindlich gegenüber der katholischen Kirche.

Nach dem Abitur setzte Vittorio seine „säkulare“ Ausbildung mit einem Studium der Politikwissenschaften fort. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete er nachts als Telefonist in der städtischen Telefonzentrale. Er war ein sehr eifriger Student, man könnte sagen, sogar ein Enthusiast mit einer unerschöpflichen intellektuellen Neugierde. Er lernte den ganzen Tag lang, sogar an Feiertagen.

Die Frage nach dem Sinn des Todes

An einem heißen Nachmittag im Sommer 1964 erfährt das Leben von Vittorio eine plötzlichen und radikale Wendung. Bis dahin war er ein Agnostiker und Antikleriker, ohne Komplexe oder soziale Frustrationen, Student an einer angesehenen, weltlichen Universität. Er machte sich nicht die Mühe, nach der absoluten Wahrheit zu suchen, er glaubte einfach nicht an deren Existenz. Auf Katholiken blickte er verächtlich herab, als wären sie abergläubische Anhänger von anachronistischen Mythen. Nichts veranlasste Messori also, sich für das Christentum zu interessieren, schon gar nicht für mystische Erfahrungen.

In dieser Zeit begeisterte sich Messori für das Buch „Der Ekel“ des bekannten französischen Philosophen und Atheisten J.P. Sartre. Der italienische Student war von den Ideen des atheistischen Existenzialismus fasziniert, aber er bezog den Tod nicht auf sich selbst. Doch an jenem denkwürdigen Tag im Sommer 1964 wurde ihm zum ersten Mal bewusst, dass der Tod auch sein persönliches Problem ist. Bis dahin hatte er die Frage nach dem Sinn des Lebens als Infantilismus betrachtet, der eines reifen Menschen nicht würdig war. Diesmal aber bezog er die Frage auf sich selbst: Wird mit meinem Tod alles enden? Vittorio erkannte, dass er auf diese wichtigste Frage keine Antwort erhalten hatte – weder von seinen Lehrern noch von der rationalistischen Ideologie, in der er erzogen worden war. Wird der Tod ihn wirklich in den schwarzen Abgrund des Nichts führen? Der junge Mann verstand, dass, wenn der Tod das Ende von allem war, sein Leben absurd und sinnlos war. Diese Erkenntnis brachte großes spirituelles Leid mit sich, einen inneren Schrei nach Rettung – den Schrei eines Menschen, der in Hoffnungslosigkeit versunken ist…

An jenem denkwürdigen Sommertag im Jahr 1964 fühlte sich Vittorio völlig allein. Dies umso mehr, als seine Eltern und sein Bruder in den Urlaub gefahren waren und er somit er allein zu Hause war. Es gab keine Vorlesungen, und so schlief er bis zum Mittag. Er konnte nicht erklären, wie es dazu kam, dass er an diesem Tag nachmittags eine bescheidene Taschenausgabe des Evangeliums zur Hand nahm. Er konnte nicht sagen, wie es in sein Zimmer gekommen war oder woher es stammte. Es lag einfach in einer Ecke des Schranks. Er wusste auch nicht, was er darin suchte, denn er erwartete nichts von dieser Lektüre. Schließlich war er Agnostiker, für den die Suche nach einer Antwort auf die Frage nach der Existenz Gottes reine Zeitverschwendung war.

Es gibt eine andere Welt

Die Tatsache jedoch, dass er damals zur Bibel griff, interpretiert Messori heute als ein Zeichen der diskreten göttlichen Führung. Er nahm die Bibel, schlug sie auf und begann zu lesen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken“ (Mt 11,28) – und dann geschah etwas Unglaubliches. Plötzlich schien es, als fielen ihm die Schuppen von den Augen. Er wurde von einem seltsamen Licht der Süße der Liebe, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit erfüllt. Bewegt las er weiter: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,29). Die Warnung aus dem Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (Lk 13,6-9) erschütterte den jungen Mann zutiefst. Und gerade dann wurde Vittorio von einer unglaublichen Glut der Liebe, Zärtlichkeit und des Friedens ergriffen und gleichsam über eine Schwelle geführt, hinter der eine andere Welt existiert, gekennzeichnet durch Heiligkeit und nicht mit den Sinnen erfahrbar. Es war eine mystische Erfahrung des Lichts der Gegenwart Christi, das wie ein Strom aus dem Evangelium hervorbrach. Messori sagt, dass diese Begegnung mit Christus nicht in Worte gefasst werden kann. Aus der Dunkelheit des Unglaubens trat unerwartet das Licht hervor und Vittorio begegnete Christus „in einem physischen, realen Sinn: so wirklich war die Gewissheit dieser Gegenwart. Aus den Papierseiten ist das Wort für mich wirklich Fleisch geworden und hat mir Freude und Angst, große Begeisterung und Furcht, Befriedigung über eine erfüllte Pflicht und Reue über die Untreue gebracht. […] Für einen Christen ist der Glaube eine Begegnung mit einer Person, die zugleich barmherzig und streng, menschlich und göttlich ist. Dieses Treffen wird von dem unwiderstehlichen Bedürfnis begleitet, ihr zu folgen und zu gehorchen“.

Messori betont, dass diese Erfahrung absolut objektiv war und nicht eine Illusion oder ein Zeichen psychischer Erkrankung. Er erkannte damals, dass das größte Glück des Menschen darin besteht, sich der Gegenwart des allmächtigen Gottes zu öffnen und ihm mit kindlichem Vertrauen seine ganze Person und seinen ganzen freien Willen anzuvertrauen. Mit Freude entdeckte er, dass er ein Kind Gottes, des Vaters, ist, der die Liebe ist, und dass alles in seinem Leben einen Sinn haben wird, wenn er ganz auf seine Vorsehung vertraut. Ein solches grenzenloses Vertrauen und eine solche Hingabe an Gott, vor allem in Situationen geistiger Leere und des Leidens, garantiert einen wahren Seelenfrieden inmitten der schmerzhaften Kämpfe, die das Leben mit sich bringt.

Die Begegnung mit Christus war wie ein Tsunami in Messoris geistigem Leben, der seine gesamte, bis dahin rationalistische und materialistische Ideologie, seine Denk- und Wertvorstellungen, in Stücke schlug. Der Italiener wurde von der Gegenwart Gottes erfüllt, dessen Existenz er bis dahin geleugnet hatte. Außerdem entdeckte er zu seinem Erstaunen, dass er von Natur aus katholisch war, dass die ganze von Gott geoffenbarte Wahrheit in der katholischen Kirche präsent war. Wie ein Neugeborener sah und akzeptierte er die Wirklichkeit, so wie sie ist. Von nun an wurde die Demut für ihn zu einer Lebensnotwendigkeit, denn sie ist Gehorsam gegenüber der Wahrheit über Gott und den Menschen. Wie bei der Bekehrung des Saulus, als ihm „die Schuppen von den Augen fielen“ (vgl. Apg 9,18), sah Vittorio eine andere Welt. Die Erfahrung der Demut Christi ließ Messoris intellektuellen Snobismus zu Staub zerfallen und veranlasste ihn, der „freien Liebe“ und jeglichem sexuellen Kontakt mit Mädchen vollständig abzuschwören. Vor allem aber fühlte er sich eingeladen, Mitglied der großen Familie der katholischen Kirche zu werden. Von diesem Moment an wurde er ein erklärter Katholik. Er erhielt eine außergewöhnliche Energie, um zu handeln und sein Leben radikal zu ordnen. Er war an Disziplinlosigkeit gewöhnt, aber nach seiner Begegnung mit Christus legte er sich einen sehr strengen Zeitplan für seine Aktivitäten und Gebete zurecht. Er hat sich einen festen Tagesablauf auferlegt, mit Zeit für Gebet, Arbeit, Studium, Ruhe und die Erfüllung aller seiner Pflichten. Er stellte diesen Tagesplan jede Woche auf und hielt ihn minutengenau ein. Unter anderem las und meditierte er täglich die Texte der Heiligen Schrift, studierte den Katechismus sowie Texte von Pascal und theologische Bücher. Er schloss sich der karitativen Gruppe des Heiligen Vinzenz von Paul in seiner Pfarrei an. Regelmäßig kümmerte er sich auch um eine einsame, kranke alte Frau.

Während seiner mystischen Begegnung mit Christus erhielt Messori eine intuitive Einsicht in die Wahrheit über den einen Gott in drei Personen, die Existenz des Himmels, des Fegefeuers und der Hölle sowie das Urteil über jeden Menschen im Augenblick des Todes, in dem über sein Heil oder seine Verdammnis entschieden wird. Er erlebte eine unbeschreibliche Freude, als er die Wahrheit über das ewige Leben entdeckte, und gleichzeitig eine heilige Angst, es zu verlieren. Er behauptet, dass ihm im Augenblick seiner Bekehrung, ohne sein Zutun, der gesamte Glaubensschatz als Geschenk anvertraut worden sei.

Treffen mit Pascal

Nach seiner Bekehrung war Messoris Herz von dem begeisterten Ruf eines Menschen erfüllt, der den wertvollsten Schatz gefunden hatte. Doch er fühlte mehr, als er verstand, und deshalb begann er eine intensive Suche nach einem tieferen Verständnis des Glaubens. Er griff zu den „Gedanken“ von Pascal, dem genialen Physiker, Mathematiker, Philosophen und Schriftsteller. Er las diese Aufzeichnungen die ganze Nacht hindurch, bis die Sonne aufging. Pascals „Gedanken“ und seine mystische Erfahrung halfen ihm sehr, zu verstehen, was in seinem Leben geschehen war. Es war eine erstaunliche Entdeckung: 310 Jahre nach Pascals mystischer Erfahrung – in Turin, an einem Sommernachmittag – hatte ein 24-jähriger Student eine ähnliche erschütternde Begegnung mit Christus. Die völlige geistige Verwandlung, die Erfahrung des „Feuers“ der Liebe und der Gegenwart Gottes sowie die gesamte Atmosphäre waren dieselben wie bei Pascal. Die Texte des französischen Denkers wurden fortan zu Messoris spirituellem Leitfaden, und er selbst zu einem Bruder und Begleiter in diesem spirituellen Abenteuer. Blaise Pascal drückte seine mystische Erfahrung in der Nacht des 25. November 1654 in dem berühmten Text Mémorial (Erinnerungsblatt) aus: „Feuer. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Gewissheit, Empfinden: Freude, Friede. Der Gott Jesus Christi. […] Dein Gott ist mein Gott. […] Freude, Freude, Freude, Freudentränen […], möge ich niemals von ihm getrennt sein“. Pascal beschrieb die Offenbarung dessen, was der Glaube an Christus wirklich bedeutet. Vor allem geht es um das Bewusstsein, dass die ganze Ewigkeit der Freude des Heils oder der Strafe der Verdammnis, in die man im Augenblick des Todes eintritt, von der Qualität des Lebens auf Erden abhängt. Das Bewusstsein für diese Tatsache sollte uns immer begleiten. Messori schrieb den Text des Mémorial handschriftlich ab und trug ihn bei sich, weil er den Zustand seiner Gefühle während der mystischen Begegnung mit Christus am besten zum Ausdruck brachte.

Messori behauptet, dass es Pascal war, der ihm zu verstehen half, dass der Christ ein 100-prozentiger Realist ist, weil er, wenn er vor der Wahl zwischen ewigem Leben und Tod steht, das wählt, was am wahrscheinlichsten ist – nämlich das Leben, die Existenz Gottes.

Pascal machte ihm auch bewusst, dass, je nachdem von welchem Standpunkt aus man die Glaubensfrage betrachtet, sie für den einen wahr und für den anderen falsch sein kann.

Dank Pascal erkannte Messori, dass er durch die Begegnung mit Christus das Christentum zum ersten Mal in seinem Leben aus dem richtigen Blickwinkel gesehen hatte und es bewunderte, weil er es in seiner ganzen Wahrheit sah. Vittorio verstand, dass wir ohne die Offenbarung, aus uns selbst heraus, nicht in der Lage sind, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Es ist der Schöpfer selbst, der uns das Licht gibt, um das Gute vom Bösen, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden und den richtigen Blickwinkel auf die uns umgebende Wirklichkeit zu finden. Der Glaube an Gott, den Messori an jenem Tag erlebte, setzte die Vernunft keineswegs außer Kraft, sondern öffnete sie nur für die Fülle der Wahrheit. Dies wurde durch Pascal beschrieben: „Der letzte Schritt des Verstandes besteht darin, das Mysterium zu erkennen, das die Vernunft übersteigt“. Vittorio machte diesen Schritt, indem er sich dem Geheimnis Gottes öffnete. Die Dogmen der katholischen Kirche wurden für ihn zu Zeichen, die den Weg zur Freiheit in der Erkenntnis der Wahrheit weisen.

Jeder logisch denkende Mensch, der er alle Vorurteile ablegt, kommt zu dem Schluss, dass wir in das Geheimnis des Makro- und Mikrokosmos sowie in das noch größere Geheimnis der geistigen Welt eingebettet sind. Deshalb ist es schwer zu verstehen, warum so viele Menschen nicht über das unergründliche Geheimnis nachdenken, in das unser Leben eingetaucht ist. „Und wir sollten uns nicht von denjenigen verspotten lassen, die sich für vernünftiger halten als die Gläubigen, weil sie Gott, den Schöpfer, durch ein absurdes Idol ersetzen, das die ewige Materie wäre! Das ist einfach irrational“, erklärte Messori.

Nur der Gläubige behält die Freiheit bei der Suche nach der Wahrheit; das zeigt sich besonders in Situationen, die sich der empirischen Erkenntnis entziehen. Wenn er der Meinung ist, dass die Fakten im Falle eines Wunders wahr sind, dann akzeptiert er sie, auch wenn er sie rational nicht erklären kann. Ungläubige hingegen lehnen die Möglichkeit eines Wunders von vornherein ab – und verschließen sich damit dem Geheimnis einer Dimension der Wirklichkeit, die der sinnlichen Erkenntnis unzugänglich ist. Sie tun dies, weil diese Fakten nicht in ihr ideologisches Schema passen. Dann greifen sie zu irrationalen Erklärungen. Sie sind einfach durch blinden Glauben an das atheistische Dogma versklavt, das besagt, dass Gott mit Sicherheit nicht existiert und es keine Wunder gibt. So werden sie blind und taub, verschlossen gegenüber der Erkenntnis der Wahrheit und der Existenz einer spirituellen Dimension der Wirklichkeit.

Nach seiner Bekehrung sucht Messori nicht mehr nach der Wahrheit, denn er weiß mit absoluter Sicherheit, wo sie liegt. Er müht sich nur ständig, sie immer tiefer zu verstehen. Er bezieht die Worte des heiligen Paulus auf sich: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7); „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen“ (Lk 12,48).

Früchte der Bekehrung

Während der vier Monaten nach seiner Bekehrung, vergoss Vittorio beim Gebet viele Tränen. Es war, wie er schreibt, „ein Schrei des Trostes, der Rührung, des Staunens, der Erkenntnis. Aber auch ein Schrei der Reue, der Gewissensbisse, des Bedauerns“. Während der Nachtarbeit in der Telefonzentrale betete er in den Pausen, versteckt in seiner Garderobe, und tränkte seinen schwarzen Dienstanzug reichlich mit Tränen. Während der ersten Messen, die Vittorio jeden Tag heimlich im hinteren Teil der Kirche zu besuchen begann – wie der Zöllner im Gleichnis des Evangeliums – machte er die Erfahrung einer sehr intensiven, glühenden inneren Ekstase und Freude. Er entdeckte, was für ein großer Schatz die Eucharistie ist – die wirkliche Gegenwart des auferstandenen Christus. In den Tabernakeln der katholischen Kirchen ist der größte Schatz der Menschheit gegenwärtig, unser Erlöser Jesus Christus, der durch die Kraft seiner göttlichen Existenz und seiner Liebe strahlt.

Nach seiner Bekehrung wollte Messori objektiv bleiben und kaufte daher in einer protestantischen Buchhandlung einige antikatholische Bücher, die er aufmerksam las. Diese Lektüre bestärkte ihn in seiner Überzeugung, dass die Fülle der Wahrheit nur im Evangelium zu finden ist, interpretiert und gelebt in der Gemeinschaft der katholischen Kirche.

In dieser Zeit suchte er seinen ehemaligen Religionslehrer aus der Gymnasialzeit auf, den Franziskanermönch Pater Berardo, und bat ihn um das Sakrament der Buße. Obwohl das Beichten der Sünden sehr schmerzhaft war, brachte ihm das Wunder der Vergebung eine enorme Freude. Vittorio erlebte und verstand zum ersten Mal in seinem Leben, welch großer Schatz das Sakrament der Buße ist, in dem sich die Allmacht der göttlichen Barmherzigkeit manifestiert. Die Vollmacht, Sünden zu vergeben, hat Jesus dem heiligen Petrus und allen Aposteln und ihren Nachfolgern gegeben: „Was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,19). Messori schenkte der geistlichen Führung von Pater Berardo großes Vertrauen. Er kam jede Woche zu Gesprächen zu ihm, die ihn für die faszinierende Realität der geistigen Welt öffneten. Es war für Vittorio auch eine Zeit intensiver Lektüre von Büchern über geistliche Bildung und die historischen Ursprünge des Christentums. Er wollte mit Hilfe der Geschichte, der Archäologie und des Verstandes so viel wie möglich über Jesus Christus lernen. Auf diese Weise gewann er die Gewissheit, dass das Christentum auf soliden historischen Grundlagen beruht, insbesondere auf der historischen Tatsache der Geburt, der Lehre, des Leidens, des Todes und der Auferstehung von Jesus Christus. Intensive Studien bestätigten Messoris Überzeugung, dass die Evangelien alles, was während des irdischen Lebens Jesu geschah, getreu wiedergeben und dass der Jesus der Geschichte und der Christus des Glaubens dieselbe Person ist, der Sohn Gottes. Nur die größten Feinde der Kirche versuchen aus Unkenntnis oder aus Bosheit zu behaupten, die Evangelien seien eine Sammlung von Mythen, Legenden und Fabeln. Messori hat sich in seinen späteren Büchern energisch gegen diese Behauptungen gewehrt und ihre Haltlosigkeit aufgezeigt. Er fühlte sich dazu berufen, als Journalist, Schriftsteller und Apologet „Beweise für den Glauben“ zu liefern; er verstand dies als seine besondere Berufung. Zwölf Jahre nach seiner Bekehrung schrieb er sein erstes Buch, Mensch geworden. Wer war Jesus?, das ein weltweiter Bestseller wurde.

In diesem und in seinen folgenden Büchern bewies Messori, dass der Glaube an Jesus Christus in historischen Fakten verwurzelt ist, die in der Bibel beschrieben sind, und deren Höhepunkt die Auferstehung Christi ist. Der Autor betont, wie wichtig es ist, die Geschichte der Menschheit und der Kirche zu kennen, denn in diese Geschichte ist Gott eingetreten, indem er ein echter Mensch wurde. Es ist ein Gott, der sich offenbart und gleichzeitig verborgen ist, um dem Menschen die Möglichkeit der freien Wahl zu lassen und ihn nicht mit der Allmacht seiner Liebe zu versklaven.

Messori lehnt die Idee, dass alle Religionen gleich sind, entschieden ab. Daher sei es Zeitverschwendung, die Spiritualität des Ostens, verschiedene Mythen und Legenden aus verschiedenen Religionen zu erforschen, die nur eine ferne Vorbereitung auf die volle Offenbarung in Christus sein können. Allen, die eine Abneigung gegen das Christentum haben, rät Vittorio, sich die erschreckenden, blutigen Riten der heidnischen Kulte, die es in Afrika und Südamerika gab, vor Augen zu führen. Er schrieb: „Was kann ich aber dafür, dass ich überzeugt bin, dass nur dieser Nazarener recht hatte, der von sich selbst sagte: ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6) und der uns warnt: ‘getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen‘ (Joh 15,5)?“.

Bis zum heutigen Tag ist für Messori der Glaube das Zentrum seines Lebens, und er ist bereit, sein Leben für die Wahrheit, die das Christentum verkündet, zu geben. Er bleibt dem täglichen Gebet treu, das er als Gespräch mit Gott betrachtet. Täglich nimmt er an der Heiligen Messe teil, liest und meditiert über die Texte der Heiligen Schrift, liebt die Volksfrömmigkeit, nutzt die Ablässe, verehrt Reliquien, pilgert, unternimmt Bußübungen. Ein besonderes Gebet ist für ihn der Rosenkranz, zu dessen Beten die Muttergottes während der Erscheinungen in Lourdes und Fatima aufgerufen hat und über den die Päpste Enzykliken geschrieben haben. Messori betont, dass die tausendjährige Tradition des Rosenkranzgebetes seine geheimnisvolle Wirksamkeit und Kraft bestätigt. Im Rosenkranz findet sich das ganze Kompendium des Glaubensbekenntnisses, und in seiner Rezitation liegt eine große geistige, beruhigende Kraft.

Vittorio fühlt sich als Sünder, der fleischlichen Versuchungen wie Völlerei oder Sex ausgesetzt. Wenn er gelegentlich fällt, bereut er sofort und erhebt sich im Sakrament der Buße, um sich mit noch größerem Eifer frommen Praktiken zu widmen. Täglich gedenkt er im Gebet der Verstorbenen und bittet auch sie um Gebet. Er wendet sich an die Verstorbenen, als wären sie Personen, die in einer anderen Dimension der Realität leben. Messori ist überzeugt, dass Gott jedem Menschen von der Empfängnis an einen Schutzengel anvertraut hat, der ihn „erleuchten, bewahren, tragen und führen“ soll, deshalb vergisst er nie das Gebet zu seinem Schutzengel und zu jenen Engeln, die seine Liebsten beschützen.

Vor seiner Bekehrung sah Vittorio Priester und Katholiken als Heuchler, Verschwörer, Rückständige und Gierige an, und die Institution der Kirche selbst betrachtete er als Staatsfeind. Nach seiner Bekehrung verschwand diese negative Einstellung vollständig. Er hörte auf, nach Skandalen zu suchen, in die Kirchenleute verwickelt waren, und darüber zu sprechen. Ihm wurde die Klarheit der Wahrheit über die Kirche gegeben, die so oft nicht nur von Feinden, sondern auch von ihren eigenen Kindern missachtet und beleidigt wird. Er erkannte, dass der größte Schatz der Menschheit die katholische Kirche ist, dass es Christus ist, der alle Sünder mit sich vereint, um sie von der Knechtschaft der Sünden zu befreien, sie zu heiligen und in den Himmel zu führen. Die katholische Kirche ist also ein unschätzbarer Schatz, Mutter und Lehrerin, der Leib Christi, der in der Eucharistie gegenwärtig ist.