Der Muttergottes liegt das Heil jedes Menschen am Herzen, um ihn vor dem ewigen Verderben zu bewahren. Deshalb stellte sie sich während der Erscheinungen in Laus als Zuflucht der Sünder vor, und die mit ihr sprechende Schäferin Benedikta wurde mit der übernatürlichen Gnade beschenkt, in den Seelen der Menschen zu lesen, um den Pilgern zu helfen, sich gut auf die Beichte vorzubereiten.
Das kleine Dorf Laus [lies: Lo] in den französischen Alpen wurde zum Schauplatz außergewöhnlicher Ereignisse. Dort erschien die Muttergottes ab Mai 1664 54 Jahre lang der einfachen Hirtin Benedicta Rencurel. Die ersten vier Monate der Begegnungen fanden im Tal der Öfen statt, wo das Mädchen Schafe hütete. Am 29. August fragte sie nach dem Namen der „Schönen Dame“, die sich zum ersten Mal vorstellte: „Ich bin Maria, die Mutter Jesu“. Die Mission, für die sie sich Benedicta offenbarte, gab die Muttergottes einen Monat später in einer Kapelle in Laus bekannt: „Ich habe diesen Ort für die Bekehrung der Seelen bestimmt. Ich habe Meinen Sohn um diesen Ort für die Bekehrung der Sünder gebeten und Er hat ihn mir gewährt“.
Laus wurde tatsächlich von Anfang an zum Ort der Zuflucht für Sünder. In den Lauser Manuskripten (ein mehrere hundert Seiten umfassendes Tagebuch, das zu Lebzeiten der Seherin von drei Priestern und einem Richter verfasst wurde) sind Fälle von Menschen verzeichnet, die schwere Verbrechen begangen hatten und anschließend in Reue mit Gott versöhnt wurden und ein neues Leben begannen. Allein im Jahr 1689 finden wir Informationen über ein Mädchen, das seinen Onkel ermordet hat; einen Offizier, der versucht hat, ein 15-jähriges Mädchen zu vergewaltigen, und es tötete, als sie sich wehrte; eine Frau, die vorgab, eine Nonne zu sein, aber in Wirklichkeit die Mutter von sechs Kindern war, die sie nach der Geburt ermordete… „Es gibt keinen so schlechten oder verdorbenen Christen, der nach Laus kam und diesen Ort nicht voller Gnaden verließ. Die Bekehrungen von Seelen, die viele Jahre im Sumpf der Sünden steckten […] zeugen von der unendlichen Zahl von Wundern, die Gott durch die Fürsprache seiner guten Mutter vollbracht hat“, schloss einer der Autoren der Laus-Manuskripte, Richter François Grimaud.
Die Rolle der Benedicta
Benedicta Rencurel widmete sich mit großem Eifer der Rettung der Sünder, denen sich die Muttergottes offenbarte. Die Schäferin betete und tat Buße für die Bekehrung der Seelen. Sie gab den Rat Mariens an ihre Beichtväter weiter: Sie sollten in ihrem Dienst eifrig, herzlich, geduldig und voller Barmherzigkeit für die Sünder sein. Dass sie besonders viel Barmherzigkeit für große Sünder haben sollten; dass sie Nachdruck auf Buße und Wiedergutmachung legen und von den Büßern verlangen sollten, die Sünden zu bekennen und nicht in schwerer Sünde zur Kommunion zu gehen.
Das Außergewöhnlichste war jedoch, dass Benedikta für die Erfüllung ihrer Mission, die Menschen zu Gott zu führen, die übernatürliche Gabe erhielt, im Gewissen der Menschen zu lesen, ähnlich wie wir es aus den Biografien des Pfarrers von Ars oder des heiligen Pater Pio kennen. Sie bestand darin, dass die Seherin, während sie eine Person ansah, wie in einem Spiegel gleichzeitig die ganze Wahrheit über sie sah. Sie kannte die Geheimnisse ihres Herzens, ihre Vergangenheit und sogar ihre Zukunft. Sie sah den Mangel an Reue, die uneingestandenen Sünden oder die verborgenen Absichten der Person. Dieses Wissen nutzte die Hirtin nicht, um sich selbst zu erhöhen oder jemanden sinnlos zurechtzuweisen, sondern um den Menschen zu helfen, sich gut auf die Beichte vorzubereiten und im Sakrament der Buße mit Gott versöhnt zu werden. Benedictas Rolle war umso bedeutender, als, mit der Verbreitung der Nachricht von den Marienerscheinungen und den sich in Laus ereignenden Heilungswundern, im Laufe der Jahre Tausende von Pilgern in das Dorf strömten.
Im Jahr 1681 kam ein Mann nach Laus, der seine Frau betrog. Er wünschte sich sogar ihren Tod, damit er rechtlich an seine Geliebte gebunden werden konnte. Benedicta öffnete ihm die Augen für die Sünde, in der er steckte, rief ihn zur Umkehr auf und sagte ihm, dass er verdammt würde, wenn er sich nicht bekehre. Sie sagte es ihm jedoch mit solcher Süße und Mitgefühl, dass der Mann davon bewegt wurde. Er bereute seine Tat, bereitete sich auf die Beichte vor und gestand Gott seine Sünden. Er gelobte sein Leben zu ändern und bat die Schäferin, in ihren Gebeten an ihn zu denken.
Bei einer anderen Gelegenheit wurde ein Schneider, der Soutanen für Priester nähte, von Benedicta gefragt, ob er das gesamte Material verwendet hatte. Der Mann nickte. „Was sagen Sie zu den vier Stoffe, die Sie noch haben?“ – fuhr die Seherin fort. „Warum haben Sie sie sich angeeignet? Genau durch solches Verhalten gelangt man zur Verdammnis!“. Der Schneider war sehr überrascht, dass sein Diebstahl ans Licht gekommen war. Er zeigte jedoch Reue und ging von da an mit gutem Beispiel voran, wie in den Lauser Handschriften von 1677 festgehalten ist.
Die Bekehrung einer Militärgarnison des Infanterieregiments aus Touraine fand ein breites Echo weit über Laus hinaus. Am 8. Dezember 1684 zogen die Militärs in einer Prozession zum Heiligtum. Sie waren so beeindruckt von diesem Ort, dass sie alle das Sakrament der Versöhnung empfingen. Nach ihrer Rückkehr in die Kaserne hörten sie auf zu lästern, begannen zu beten und baten die Priester in einem Brief um weitere Anweisungen für ihren geistlichen Weg. Der Offizier des Regiments, Jehan de Boilly, Marquis de Souvigné, hatte jedoch nicht an der Pilgerfahrt der Soldaten teilgenommen. Als er jedoch die Früchte sah, die der Aufenthalt in Laus bei seinen Untergebenen hervorgebracht hatte („gewöhnlich vergnügungssüchtige Trinker und Diebe wurden bescheiden und ruhig wie Kleriker“), machte er sich selbst auf den Weg zum Heiligtum. Bald gestand er in einem Brief an seine Mutter: „Meine Soldaten hatten recht: Man kann diesen gesegneten Ort nicht betreten, ohne dabei Schmerz über die eigenen Fehler zu empfinden und nicht von dem Wunsch nach Besserung zu brennen. Welch eine Verwirrung ergriff mich, den Hochmütigen, zynischen Libertin, selbstgefälligen Klugscheißer, als ich die Seherin nach ihrer Tracht als Tertiarerin erkannte und sah, dass sie auf mich zukommt! […] Sie sagte leise: »Sie sind hier als gläubiger Mensch. Das Wichtigste ist eine gute Beichte, aber dazu braucht es Reue.« […] Ich hörte die Heilige Messe neben Benedicta und ging dann mit ihr zu einem guten Priester, der, als er sah, dass ich zum Regiment aus Touraine gehörte, zu erzählen begann, wie alle meine tapferen Soldaten Reue empfanden und bei der Beichte eine solche Inbrunst zeigten, dass sie den Priester völlig aus der Fassung brachten. Ich wage zu hoffen, dass ich in dieser Hinsicht nicht schlechter abgeschlossen habe.“
Über Sünde und freien Willen
Die Aufzeichnungen über zahlreiche Bekehrungen, die in Laus stattfanden und weiterhin stattfinden, sind ein Zeugnis dafür, wie sehr es der Muttergottes am Herzen liegt, alle Sünder zu ihrem Sohn zu führen. Die Sünde ist nämlich das größte Unglück des Menschen, und ihre ultimative Konsequenz – die Hölle – ist das tragische Ende eines mit Gott unversöhnten Sünders. Gott wünscht sich für jeden Menschen den Himmel – das ewige Glück mit Ihm. Das ist die Berufung aller Menschen auf Erden. Leider antworten einige nicht auf Gottes Einladung und wählen durch beharrliches Verharren in Sünden, mangelnde Umkehr und definitive Ablehnung von Gottes Barmherzigkeit den Weg, der zur Verdammnis führt. Gott hat den Menschen frei erschaffen, und deshalb kann jeder das Glück wählen, im Gnadenstand zu leben, oder das Unglück, im Bösen zu verharren. Die Muttergottes erklärte Benedicta 1692: „Zeige den Sündern ihre Sünden und bitte sie, zur Beichte zu gehen, aber quäle dich nicht – wie du es zu tun pflegst – wenn sie nicht fähig sind, diese Warnungen zu nutzen. Bleibe ruhig und tue alles in deiner Macht Stehende, um sie für Gott zu gewinnen, aber zieh dich dann zurück und sorge dich nicht. Wisse, dass mein Sohn alle retten will, aber nicht alle wollen gerettet werden. Diejenigen, die deine Warnungen missachten, werden eines Tages Gott Rechenschaft ablegen müssen“.
Wie wichtig die Versöhnung mit Gott ist, zeigt auch die Tatsache, dass Maria, gefolgt von Benedicta, betonte, dass der Hauptzweck der Wallfahrt nach Laus der Wunsch sein sollte, das eigene Leben zu verändern, und nicht nur um körperliche Heilung zu bitten. In diesem Zusammenhang ist die Geschichte eines Mannes aus Valloire, im Département Savoie, lehrreich, der mit der Absicht, die Muttergottes um die Gnade der Heilung seines gelähmten Arms zu bitten, zum alpinen Heiligtum kam. Benedicta riet ihm, in diesem heiligen Ort vor allem für seine Seele zu sorgen. Der Pilger nahm den Rat der Schäferin zu Herzen und beichtete. Als er die Kirche wegen der Vergebung zahlreicher Sünden glücklich verließ, wurde er auch körperlich geheilt – von nun an konnte er seinen Arm bewegen! Dieses Ereignis zeigt, dass dies der Zweck körperlicher Heilungen ist, insbesondere jener, die (auch heute) durch das Öl der ewigen Lampe in Laus erfolgen. Die wunderbare Genesung soll vor allem zu einer engeren Beziehung zu Gott führen. 1667 versprach die Muttergottes: „Pilger, die ein wenig Öl aus der Lampe entnehmen und es mit dem Glauben an mein Fürbittengebet auf den Körper auftragen, werden die Gesundheit wiedererlangen, denn Gott hat mir diesen Ort zur Bekehrung der Sünder geschenkt.“
Bedingungen für eine gute Beichte
Im Bekehrungsprozess spielt das Sakrament der Versöhnung eine Schlüsselrolle. Die Beichte will aber gut vorbereitet sein. Die fünf Bedingungen für eine gute Beichte, die auch Benedicta praktizierte, können dabei helfen.
Die übernatürliche Gabe der Schäferin, in den menschlichen Seelen zu lesen, diente dazu, den Sündern zu zeigen, wie wichtig die erste Bedingung für eine gute Beichte – die Gewissenserforschung: das Erkennen der eigenen Sünden in Wahrheit – ist. Ein Beispiel dafür ist das Gespräch der Seherin mit einer Dame der höheren Gesellschaft, die nach Laus kam und wollte, dass Benedicta ihr einen Beichtvater empfielt. Sie fügte hinzu, dass die Beichte nicht lange dauern würde, da sie nicht viele Sünden habe. „Sie haben doch mehr Sünden auf dem Gewissen, als Ihre Kleidung Falten hat!“, entgegnete Benedicta. Die zweite Bedingung für eine gute Beichte ist die Reue, also der echte Schmerz über das begangene Übel. Die Muttergottes in Laus legte Wert auf diese Dimension. Sehr aussagekräftig ist die Geschichte, die sich dort 1672 ereignete. Benedicta sah einen Mann, der alle seine Sünden beichtete, ohne eine auszulassen. Als er jedoch zur Heiligen Kommunion ging, wurde sein Gesicht schwarz. Die Seherin fragte die Muttergottes nach dem Grund für diese Veränderung. Maria antwortete, dass der Büßer keine Sünde während der Beichte verborgen hatte, aber nicht bereute, das Übel begangen zu haben, und daher die dunkle Farbe seines Gesichts.
Die dritte Bedingung für eine gute Beichte – den festen Vorsatz der Besserung, also den Wunsch, nicht zu den begangenen Sünden zurückzukehren, darf man nicht vergessen. Als Warnung in dieser Hinsicht dient der Dialog Benedictas mit einer Frau aus Savoie. Die Schäferin sagte ihr: „Sie begehen schwere Sünden gegen die Keuschheit. Es ist Zeit umzukehren, wenn Sie in den Himmel kommen wollen. Andernfalls bleiben dessen Türen für Sie verschlossen…“. Benedicta mahnte die Frau wiederholt. Diese jedoch nahm die Ermahnung nicht an, denn – wie sie zugab – fehle es ihr an nichts im Leben, sie amüsiere sich gut und wäre zufrieden. Wenn sie sich bekehren würde, müsste sie ihre Gewohnheiten ändern und ein anderes Leben führen. Benedicta erwiderte: „Das ist wahr, aber das Leben vergeht. Und man muss an die Ewigkeit denken, die nicht endet. Dort wartet der Himmel oder die Hölle.“
Die vierte Voraussetzung für eine gute Beichte ist eine aufrichtige Beichte. Sie besteht im Bekenntnis der Sünden, d. h. der bewussten und freiwilligen Übertretung der Gebote Gottes. Wenn es sich um schwere Sünden handelt, müssen die Anzahl und die Umstände der Sünden während der Beichte genannt werden. Vieles hängt von der Vorbereitung auf die Beichte ab. Benedicta bekannte am Fest der Verkündigung am 25. März 1672 Pfarrer Peythieu: „Was für eine unglaubliche Sache ist der Beichtstuhl! Am Morgen sah ich bei jedem Beichtstuhl einen Teufel und als die Büßer gut beichteten, stampfte er mit den Füßen und ballte die Fäuste. Wenn sie sich jedoch schlecht beichteten, lachte er“.
Die fünfte Voraussetzung für eine gute Beichte ist die Wiedergutmachung vor Gott und dem Nächsten. Sie umfasst die vom Priester während der Beichte auferlegte Buße und den eigenen Entschluss, das begangene Unrecht bei anderen (z. B. dem Ehepartner) wiedergutzumachen. So war es auch bei Blanchard von Forcalquier, einem Anwalt, der in die Laus kam und krankhaft eifersüchtig auf seine Frau war. Benedicta wies ihn nicht nur auf die Notwendigkeit der Beichte hin und half ihm, sich darauf vorzubereiten, sondern ermutigte den Anwalt auch, seine Frau in die Wallfahrtskirche zu bringen und sie ebenfalls beichten zu lassen. Blanchards Frau stimmte diesem Vorschlag bereitwillig zu, ohne auf die schwierigen Bedingungen in den Bergen im Winter zu achten. Schließlich hatte sie selbst die wundersame Wirkung des Öls der ewigen Lampe aus Laus erlebt, das ihr kleines Kind geheilt hatte. Das Ehepaar „verbrachte noch neun Tage hier“, schließt Pater Peryi, „und als sie abreisten, nachdem sie ihre Herzenseinheit an diesem heiligen Ort erneuert hatten, priesen und segneten sie Gott und Seine Allerheiligste Mutter“.
Die Botschaft Mariens
Die Botschaft der Muttergottes von Laus ist vor allem ein Aufruf zur Umkehr. Denn solange der Mensch lebt, kann er sich der Liebe Gottes öffnen und die Gnade der Sündenvergebung im Sakrament der Versöhnung empfangen. Wichtig ist, dass die wunderbare Umkehr zu Gott nicht nur in Laus oder einem Wallfahrtsort stattfinden kann, sondern in jedem Beichtstuhl der Welt, in dem eine gültige Beichte abgelegt wird. Jesus sagte zur heiligen Faustina: „Sage den Seelen, wo sie Trost suchen sollen – im Tribunal der Barmherzigkeit, dort gibt es die größten Wunder, die sich ununterbrochen wiederholen. Um diese Wunder zu erreichen, bedarf es keiner weiten Pilgerfahrt, auch nicht äußerer Zeremonien, sondern es genügt, zu den Füßen Meines Stellvertreters gläubig hinzutreten und vor ihm sein Elend auszusprechen. Dann zeigt sich das Wunder der Barmherzigkeit in seiner ganzen Fülle“ (Tagebuch 1448). Es lohnt sich also, nicht zu zögern, sondern sich im Sakrament der Versöhnung dem Geschenk der vergebenden Gnade eines barmherzigen Gottes zu öffnen und das Wunder der Heilung der Seele zu erleben.
Quellen: S. Tognetti, Unsere Liebe Frau von Laus, Krakau 2022;
L. Frère, Suivez le chemin de Laus, Saint-Étienne-le-Laus 2014;
R. Combal, Prier 15 jours avec Benoîte Rencurel, Bruyères-le-Châtel 2016.





