Lehre mich, Herr, die Menschen zu lieben

Wie liebt man seine Nächsten? Sollte man ihnen viel oder wenig Zeit widmen? Wie unterscheidet man wahre Liebe von falscher? Auf diese Fragen antwortet Jesus Christus der Mystikerin Alicja Lenczewska.

Alicja Lenczewska (1934-2012) war eine ledige Laiin und von Beruf Lehrerin. Nach ihrer Bekehrung im Alter von 51 Jahren erlebte sie zum ersten Mal eine mystische Begegnung mit Jesus. Die Gespräche mit dem Heiland wurden fortan zu ihrer geistigen Nahrung und veränderten ihr Leben. Sie schrieb sie in zwei Bänden nieder: Zeugnis und Wort der Unterweisung, die nach ihrem Tod von einer theologischen Kommission geprüft wurden und das Imprimatur des Generalvikars, Bischof Henryk Wejman erhielten.

Jesus übermittelte Alicia Lenczewska Worte über die Nächstenliebe, die beim Aufbau einer täglichen Beziehung zu einem anderen Menschen hilfreich sein können:

– Lehre mich, Herr, die Menschen auf eine offenere Weise zu lieben.

† Du liebst sie. Es muss nicht immer mit äußerlicher Überschwänglichkeit einhergehen. Und es ist auch nicht nötig, denen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, die in deinem Herzen hervorgehoben werden wollen und deine Liebe für sich beanspruchen.

Ob jemand zur Liebe fähig ist, erkennt man daran, ob er oder sie bereit ist, sich für diejenigen aufzuopfern, die Hilfe brauchen. Den Schwachen und Kranken muss man die größte Zärtlichkeit entgegenbringen, und das tust du. Den Selbstbewussten und Besitzergreifenden hingegen muss man weniger zeigen.

Es geht nicht um gegenseitige Verehrung, sondern um eine echte Hilfsbereitschaft und das Bewusstsein des anderen, dass er diese Hilfe erhält, auch wenn er nie die Chance haben wird, sich im eigentlichen Sinne des Wortes zu revanchieren.

In der großen Liebe ist Gefühlsüberschwang unnötig. Je größer die Sensibilität und Liebe, desto sparsamer die Worte und Gesten.

Beurteile also weder andere noch dich selbst nach dem Äußeren.

Außerdem ist die Liebe eine Bereitschaft, dem anderen zu helfen, und nicht das Einfordern von etwas, was Freude bereitet. Je subtiler und reiner die Liebe ist, desto größer ist die Bereitschaft, sich nicht aufzudrängen und keine Gegenleistung zu verlangen.

Die Liebe muss vernünftig sein, damit sie bereichert und nicht Egoismus, Besitzdenken und Stolz fördert.

Durch die Liebe muss man zur Opferbereitschaft erzogen werden und nicht dazu, seine eigenen egoistischen Wünsche auf Kosten anderer zu befriedigen.

Zurückhaltung ist besser Überschwänglichkeit. Ein Übermaß an Äußerlichkeiten kann das verarmen lassen, was innen am wertvollsten ist.

Liebe ist das Wachen über das Wohlergehen des geliebten Menschen – eine stilles und aufmerksames Wachen mit der Bereitschaft zu dienen (Zeugnis 486).

† Die Fehler, die du bei den Menschen siehst, sollten dich nicht von ihnen abhalten. Im Gegenteil: Sie sollten das Mitgefühl für diese Menschen erwecken, das Bedürfnis ihnen zu helfen und sie mit Liebe zu beschenken. Mit kluger Liebe – nicht mit unvernünftigem Gefühlsausbruch.

Die Liebe, die man anderen entgegenbringt, und die Hilfe, die man anderen gibt, sollten Gutes in ihrer Seele bewirken. Sie sollte zur aufopfernden Liebe, zur Dankbarkeit und Bescheidenheit erziehen.

Wenn das, was du im Namen der Liebe tust, Egoismus, Gier, Erwartung von Geschenken und Selbstbezogenheit weckt – dann solltest du besser nichts tun, denn es ist nicht in Übereinstimmung mit Meinem Willen.

Tue gegenüber anderen das, was Ich wünsche, dass du tust, und nicht das, was dein Verlangen befriedigt, Liebe zu zeigen, wie sie in dir ist.

Reine Liebe sollte anspruchsvoll und erzieherisch sein, denn nur so kann das wahre Gute entstehen.

Achte also darauf, dass deine Güte sich nicht als Übel erweist und statt zu bereichern, verarmt (Zeugnis 779).

† Reife Liebe bedeutet, dass dein Glück darin besteht, den zu beglücken, den du liebst.

Nur selbstlose Liebe ist wahre Liebe. Jeder Schatten des Strebens nach eigener Zufriedenheit ist ein Makel in der Liebe.

Reine Liebe ist eine vollständige Selbstverleugnung, eine Abkehr von sich selbst. Sie ist eine vollständige Hingabe und Ausrichtung auf das Wohl anderer. Dann fülle ich eine solche Seele mit Mir: mit Liebe, die der Himmel des Glücks ist. Wer sich um sich selbst sorgt, schadet sich selbst, denn er leugnet Mich – die Reine Liebe.

Wer sich um das Wohl der anderen kümmert, erhält das vollkommenste Gut für alle Ewigkeit (Zeugnis 948).

† Liebe erfordert vor allem Verantwortung für andere und für sich selbst. Deshalb sind die Pflichten gegenüber der Familie und den eigenen Verpflichtungen so wichtig. Es ist besser, diese solide zu erfüllen und Mir diese Anstrengungen aufzuopfern, als von einer Liebe zu sprechen, die nur aus leeren Versprechungen besteht.

Man muss anderen vernünftig dienen. Dies darf nicht auf Kosten der grundlegenden Pflichten und der Vernachlässigung der Angehörigen geschehen. Wenn der Dienst an Mir zum Bösen führt, das sich in die Familie einschleicht, dann muss man nach Hause zurückkehren und Mich dort mit all dem, was man im eigenen Herzen trägt, anbeten, um seine Lieben zu beschenken.

Meiner Liebe zu dienen, bedeutet vor allem, Liebe in sein nächstes Umfeld zu bringen. Man kann die Liebe nicht weitergeben, ohne das Nächstliegende zu beachten. Man muss die gegebenen Bedingungen akzeptieren, wie sie sind, wie ich sie gegeben habe, und sie mit Meiner Liebe verwandeln. Darum bitten, Mir alles und eigene Mühe opfern und Treue bewahren (Zeugnis 589).

† Alle Belastungen und schlechte Gefühle kommen aus der Selbstbezogenheit: aus dem Egozentrismus. Auch alle Kränkungen, Vorwürfe, Urteile, Aggressionen. Das Kreuz, an dem jeder Mensch hängt, ist sein Egozentrismus. Er kreuzigt euch. Damit kreuzigt ihr euch gegenseitig. Gehe über deinen Egozentrismus und deinen Egoismus hinaus und du wirst sehen, dass du im Himmel bist (Wort der Unterweisung 138).