Empfängnisverhütung in der Ehe

Herr Jacek, bitte nennen Sie konkrete Gründe, warum Verhütung nach der Heirat eine Sünde ist. Natürlich spreche ich nicht von sogenannten abortiven Mitteln, sondern von solchen, die eine Befruchtung verhindern. Warum sündigen Ehepartner, die planen, zu einem bestimmten Zeitpunkt zwei oder drei Kinder zu haben und dann die oben genannten Mittel verwenden? – Peter

Grüß Gott! Natürlich kann ich konkrete Gründe nennen, warum Verhütung auch nach der Hochzeit eine Sünde ist. Ich fürchte jedoch, dass es für jemanden, der in unserer Zivilisation lebt, fast unmöglich sein wird, die Antwort ohne umfassenderen Kommentar intellektuell und emotional zu akzeptieren.

Intellektuelle und emotionale Verwirrung

Es mangelt den Menschen generell an grundlegendem Wissen über menschliche Sexualität. Es ist interessant, warum wir Kindern ständig viele unnötige Details beibringen, aber das Wissen über die Natur der menschlichen Sexualität vollkommen verschweigen. Ist es nicht logisch zu folgern, dass dieses solide Wissen „jemandem“ im Weg wäre, „jemandes“ Geschäft stören würde? Was würde passieren, wenn die Menschen plötzlich klüger würden und das Thema Sexualität ernst nähmen (wie es Gott befahl)? Würden sie aufhören, auf dem Gebiet der Sexualität gefährliche Spiele zu spielen, würden sie sich in dauerhaften Ehen binden und, „noch schlimmer“, ihre Kinder lieben? Stellen Sie sich vor, wie viele perfekt funktionierende Unternehmen eines Tages überflüssig sein würden. Überflüssig wären Abtreibungskliniken, sogenannte Verhütungsmittel (meist abortiv), Bordelle (auch als Begleitagenturen bezeichnet), Straßenprostituierte, die gesamte Pornoindustrie und die sie antreibende Erotikindustrie zusammen mit zahlreichen Magazinen…. Es ist kein Wunder, dass die Menschen kein solides Wissen haben, das sie zweifellos zu dem Schluss führen würde, dass die Annahme der oben genannten Angebote die Menschen und ihre Beziehungen zerstört, ihre körperliche und psychische Gesundheit schädigt, seelisch zerstört und schädlich sowie unrentabel ist. Die oben genannten Branchen und ihre damit verbundenen Geschäfte wissen jedoch sehr gut, wie man ihre Gewinne schützt. Sie erschweren nicht nur die Verbreitung echten Wissens, sondern versuchen auch, es zu verzerren, zu diskreditieren und sogar lächerlich zu machen. Dies gilt auch für das Wissen über Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP). Nehmen wir beispielsweise nur die aus dem Zusammenhang gerissene Wirksamkeit dieser Methoden. Tatsächlich haben moderne, multifaktorielle natürliche Methoden eine höhere Wirksamkeit als die neuesten hormonellen, verhütend-abortive Präparate. Wenn dieser Satz jemandem unwahr erscheint, bedeutet das nur, dass er erfolgreich durch die oben genannte Lobby manipuliert wurde. Neben der Verhöhnung von echtem Wissen wird auch viel Aufwand betrieben, um falsches Wissen zu verbreiten, mit dem die genannten Branchen Stammkunden (sprich: süchtige Kunden) anlocken. Es werden die unterschiedlichsten Mythen erschaffen, die das Wissen ersetzen. So gibt es den Mythos von der sexuellen Inkompatibilität und der Notwendigkeit, dies vor der Ehe zu prüfen (Verbreitung des Ehebruchs), den Mythos von der spontanen sexuellen Handlung (unter Ausschluss der Kontrolle der Vernunft), den Mythos von dem unstillbaren Bedürfnis nach sexueller Handlungen (unter der Gefahr sich mit Krankheiten anzustecken), den Mythos von viel Temperament, das die Beherrschung verhindert (was die Kontrolle des Willens über die Handlungen einer Person in Frage stellt), oder den Mythos zusätzlicher Eisprünge (der den Sinn der Anwendung der NFP untergräbt), und so weiter. Die Tatsache, dass diese Mythen weder mit der Wahrheit über den Menschen, noch mit den neuesten biologischen und medizinischen Erkenntnissen, noch mit dem gesunden Menschenverstand zu tun haben, hindert nicht daran, dass sie weithin geglaubt, „respektiert“, ja sogar vergöttert zu werden – sie sind heilig, unantastbar, unbestreitbar, selbstverständlich, und wer etwas anderes glaubt, ist ein Narr. Das ist leider der wahre Erfolg der Propaganda der oben genannten Lobby, die sich die Unwissenheit, die Schwäche und die Ungerechtigkeit der Menschen zunutze macht.

Es ist schwierig für einen Menschen anzuerkennen, dass das, was er aus freien Stücken tut, oder noch schlimmer – das, was er tun muss, weil er versklavt (abhängig) ist, schlecht, unklug und schädlich ist… Man kann ruhig über Verhütung in der Ehe mit jemandem sprechen, den das nicht betrifft. Dann werden alle vernünftigen Argumente berücksichtigt – es kann eine sachliche Diskussion stattfinden. Wenn man jedoch selbst betroffen ist, kann man eine ganze Reihe von Ausreden für die eigene Anwendung von Verhütungsmitteln vorbringen. Man kann sogar zu dem völlig absurden Schluss kommen, dass Verhütung für das Eheglück unverzichtbar ist.

Das Übel der Verhütung

Ich befürchte, dass der Verfasser des Briefes intellektuell und emotional mit der Empfängnisverhütung verbunden ist (wie gerne würde ich mich irren), aber ich komme seiner Bitte um eine Liste spezifischer Gründe gegen die Verhütung nach, in der Hoffnung, dass sie von ihm als stichhaltig, glaubwürdig und respektabel angesehen werden.

Hier ist die versprochene Liste von Gründen, die Verhütung abzulehnen:

  • Verhütung entstellt die menschliche Persönlichkeit (es entbindet von der Anstrengung des Verstandes und des Willens, ist daher nicht erzieherisch und fördert die Degradation des Menschen);
  • sie führt zu einer Desintegration (innere Zersplitterung) der Persönlichkeit (die Person nimmt eine Handlung vor, lehnt aber gleichzeitig deren natürlichen Folgen ab);
  • sie zerstört die menschliche Gesundheit (Fruchtbarkeit ist ein Ausdruck von Gesundheit, nicht von Krankheit, so dass jeder Angriff auf die Fruchtbarkeit ein Angriff auf die Gesundheit ist; von einer gesundheitlich völlig unbedenklichen Empfängnisverhütung zu sprechen, ist logisch widersprüchlich);
  • sie degradiert die Stellung des Kindes in der Familie (das Kind ist kein erwünschtes Geschenk mehr, sondern wird zu einer Bedrohung für die „Liebe“ der Eltern; hier könnte man den Faden der negativen Auswirkungen der kontrazeptiven Haltung der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder weiterspinnen);
  • sie befürwortet die Entscheidung, das gezeugte Kind zu töten, wenn es sich um einen „Arbeitsunfall“ handelt (was durch die Forschung bestätigt wird, ist in gewissem Sinne eine konsequente Haltung: Es sollte kein Kind geben, der Produzent (der Verhütungsmittel, Anm. d. Üb.) war schuld – nicht wir – leider, „wir müssen das Kind entfernen“);
  • sie zerstört die Bindung der Ehepartner (während der intimen Begegnung fürchten sie sich vor sich selbst und den Folgen ihres Handelns, und die Angst führt zu einer Blockade höherer Erfahrungen, so dass sie nur noch auf der Ebene körperlicher Erfahrungen verbleiben, die mit der Zeit übrigens nachlassen; sie erleben Enttäuschung und Frustration aufgrund der Oberflächlichkeit ihrer gegenseitigen Kontakte);
  • sie stört den Ablauf des Geschlechtsverkehrs und macht ihn zunehmend unattraktiver (vor allem für die Frau);
  • sie trägt zum Scheitern von Ehen bei (in den USA werden 50 % der Ehen, die verhüten, geschieden, im Vergleich zu 1,7 %, die nicht verhüten; auch in der Eheberatung in Polen ist die Verhütung eine deutlich erkennbare Ursache für das Scheitern von Beziehungen);
  • die Tatsache, dass sie von der Kirche abgelehnt wird, führt zu einem Gewissenskonflikt bei ihren gläubigen „Anwendern“ und beeinträchtigt offensichtlich ihre Beziehung zur Kirche und zu Gott sowie ihr sakramentales Leben (wir sollten jedoch nicht fordern, dass die Kirche ihre Haltung ändert – das wäre ein Verrat an ihrer Mission, sich um das wahre Wohl des Menschen zu kümmern, mit dem die kontrazeptive Haltung eindeutig im Widerspruch steht).

Gewissenserforschung

Diese Liste ließe sich noch viel länger und detaillierter fortsetzen, aber es geht hier nicht um die Anzahl der Argumente.  Man muss über die eigene Einstellung zur Sexualität und vor allem der sexuellen Lust nachdenken:

  • Bin ich bereit anzuerkennen, dass das Leben eines Kindes wichtiger ist als mein sexuelles Vergnügen? Dann wäre die natürliche Haltung, Geschlechtsverkehr an den Tagen zu haben, die eine Chance auf Empfängnis bieten, wenn wir ein Kind planen, oder auf Geschlechtsverkehr an fruchtbaren Tagen zu verzichten, wenn wir noch keine Empfängnis planen. Eine solche Haltung ist entwicklungsfördernd für die Eheleute und den Bund der Ehe und schafft das richtige Klima, um Kinder zu empfangen und aufzuziehen.
  • Oder bin ich der Meinung, dass die sexuelle Lust wichtiger ist als das Leben meines Kindes? Dann ist die Verwendung von Verhütungsmitteln logisch gerechtfertigt. Es ist dann möglich, sich nach Belieben sexuell zu vergnügen, ohne Rücksicht auf den Verlauf des natürlichen Fruchtbarkeitsrhythmus, der dem Körper der Frau eigen ist, aber es wird unweigerlich ein abnehmendes Vergnügen sein. Man muss dabei alle negativen Folgen dieser Haltung, die der Natur des Menschen widerspricht, in Betracht ziehen. Ein altes Sprichwort besagt: „Gott vergibt dem aufrichtig Reuigen immer, der Mensch manchmal, die Natur nie“.

Aber was sollen diejenigen tun, die von der Propaganda der Verhütungslobby täuschen ließen? Was sollen diejenigen tun, die sich intellektuell täuschen ließen oder noch schlimmer – die „Wohltaten“ der Verhütung genutzt haben und ihr emotional verfallen sind? Die grundlegende Schwierigkeit besteht hier darin, den begangenen Fehler einzugestehen. Dies gilt insbesondere für Männer, die ihre Frau zur Empfängnisverhütung überredet haben, indem sie Argumente des Verstandes in die Waagschale geworfen haben. Beachten Sie jedoch, dass es Weisheit und nicht Torheit ist, seine Entscheidung zu revidieren, wenn man den Betrug bemerkt und neue Erkenntnisse gewonnen hat. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (vgl. Lk 15,11-32) zeigt, dass es möglich ist, von überall her zum Vater zurückzukehren. Allerdings muss man sich vom Bösen abwenden: „Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt“ (Lk 15,21). Man muss zu dem Plan des Schöpfers zurückkehren, wie er in der Natur der Schöpfung festgeschrieben ist.

Das heutige Wissen über den Menschen ermöglicht es, die menschliche Fruchtbarkeit so präzise zu erfassen, dass es – je nach den Zeugungsplänen des Paares – möglich ist, die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis zu maximieren oder sogar eine ungeplante Empfängnis ganz auszuschließen. Es ist lediglich notwendig, den Ausdruck der ehelichen Liebe durch den Geschlechtsverkehr an den natürlichen Fruchtbarkeitsrhythmus des weiblichen Körpers anzupassen. Die genaue Erkennung des Fruchtbarkeitsrhythmus und die Verhaltensregeln der Ehegatten entsprechend ihren Zeugungsplänen sind Gegenstand der oben erwähnten Methoden der natürlichen Empfängnisplanung. Somit haben nicht technische Mittel, sondern die schöpferischen Attribute: Vernunft und Wille, die wahre Macht, alle menschlichen Probleme zu lösen. Dies betrifft auch das Problem der Sexualität und der menschlichen Fruchtbarkeit.

Mit Gott
Jacek Pulikowski

Liebe Ehegatten! Erinnert euch an den unschätzbaren Schatz, den ihr im Sakrament der Ehe empfangen habt. Es ist Jesus Christus selbst! Er, der wahre Gott, hat, indem er wahrer Mensch wurde, alle unsere Sünden, Leiden und Probleme auf sich genommen. In seinem Tod am Kreuz und in seiner Auferstehung vergab er alle Sünden und besiegte schließlich alles Böse und den Tod. Der gekreuzigte und auferstandene Herr ist ständig bei uns gegenwärtig und lässt uns in den Sakramenten an seinem Sieg teilhaben. Als Eheleute seid ihr mit der ständigen Gegenwart Jesu im Sakrament der Ehe beschenkt worden. Vereinigt euch mit ihm und legt ihm im täglichen Gebet alle eure Probleme, Sorgen und Freuden vor. Nur mit Ihm könnt ihr alle Schwierigkeiten überwinden!

Jesus lädt euch ein, sich der Bewegung der Reinen Herzen für Eheleute anzuschließen, weil er euere eheliche Beziehung erneuern, vertiefen und heilen möchte. Um der BdRHfE beizutreten, müsst ihr zunächst alle euere Sünden im Bußsakrament bekennen, die heilige Messe besuchen und nach dem Empfang der heiligen Kommunion das BdrHfE-Weihegebet sprechen. Betet jeden Tag das Weihegebet und nehmt alle darin enthaltenen Verpflichtungen in euer Eheleben auf. Organisiert die täglichen Pflichten so, dass das Gebet an erster Stelle steht, gefolgt von Arbeit und Ruhe. Achtet darauf, dass Fernsehen und Internet nicht zu Götzen in eurem Haus oder zu Zeiträubern werden – auf Kosten von Gebet und Ruhe. Achtet auf die Gabe eines reinen Herzens, denn nur mit einem reinen Herzen könnt ihr lieben. Bleibt immer im Zustand der heiligmachenden Gnade, und wenn ihr einen schweren Fall erleidet, geht sofort zum Sakrament der Buße. Jesus möchte, dass ihr euere Lebens-und Glaubenserfahrungen auf den Seiten von ‚Bleibt in Liebe’ mit anderen teilt. Bitte schreibt und sendet euere Zeugnisse an die Redaktion. Ihr könnt unser Redaktionsteam über das große Ereignis eures Beitritts zum BdRHfE informieren, indem ihr uns eure Adresse, euere Geburtsdaten und das Datum eures Beitritts zum BdRHfE schickt. Wir werden euch dann in das Buch der Reinen Herzen eintragen und euch einen besonderen Segen zukommen lassen.

Pater Mieczysław Piotrowski SChr
mit dem Redaktionsteam