Mein Name ist Marek. Ich bin seit 16 Jahren mit Ania verheiratet, mit der ich vier Kinder habe. Ich möchte mein Zeugnis darüber teilen, wie wir in unserer Familie lernen, einander zu vergeben.
Als wir uns auf das Sakrament der Ehe vorbereiteten, arbeitete ich in Schweden. Zu dieser Zeit wurde ich Zeuge einer sehr schweren Krise in der Ehe meiner Freunde. Es war zu einer Untreue gekommen. Der Ehemann war mehrmals betrogen worden, und die Frau und die Kinder waren aus dem Haus ausgezogen. Meine Arbeitskollegen und ich erlebten ihre Notlage mit und sprachen über diese Leute. In der Zwischenzeit hatte mich die Frau des Geschäftsführers, die von der Situation dieser Ehe erfahren hatte, um die Namen dieser Eheleute gebeten und eine Messe für sie bestellt. Nach einiger Zeit erhielt ich die Information, dass der Mann seiner Frau vergeben hatte und sie zu ihm zurückgekehrt war. Damals dachte ich, dass etwas Außergewöhnliches geschehen war und dass dies, ohne die Messe und das Gebet für die Anliegen dieser Ehe, wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.
Jeden Tag aufs Neue vergeben
Nach unserer Hochzeit mit Ania gab es eine Zeit, in der ich in einer anderen Stadt arbeitete und den ganzen Tag nicht zu Hause war – ich ging früh zur Arbeit und kam spät am Abend zurück. Es passierte uns mehrmals, dass wir ohne gemeinsames Gebet und manchmal sogar unversöhnt nach einem Streit einschliefen. Die ersten Gedanken, die uns nach dem Aufwachen durch den Kopf gingen, waren negativ; auch die Gefühle, die die uns den ganzen Tag begleiteten, waren unangenehm. Die ganze ungelöste Situation führte dazu, dass wir, anstatt miteinander zu reden und das Problem zu lösen, den Streit fortsetzten. So ging es weiter, bis wir anfingen, die Kraft der Worte der Schrift zu entdecken und zu meditieren: „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen“ (Eph 4,26). Als wir uns bewusst wurden, wie wichtig diese Regel ist, bemühten wir uns, uns vor dem Schlafengehen zu versöhnen, damit wir danach gemeinsam beten konnten. Dadurch verzichteten wir darauf, um jeden Preis Recht haben zu wollen, lernten Demut und eine reifere eheliche Liebe. Wir fanden schnell heraus, welch große Früchte es uns bringt, uns vor dem Schlafengehen zu versöhnen. Wenn wir morgens aufwachten, hegten wir keine schlechten Gedanken mehr gegenüber unserem Ehepartner, wie wir es sonst nach einem Streit der Fall war. Seitdem haben wir den Vorsatz, einander zu vergeben, uns am Abend zu versöhnen und die Vergebung mit dem Gebet zu verbinden, damit keiner von uns dem anderen die schwierige Situation vorwirft.
„Pakt der Güte“
In der Beziehung zu unseren Kindern wenden wir das Prinzip des so genannten „Pakts der Güte“ an, d. h. wir versuchen, einander Gutes zu tun und einander zu verzeihen, egal was passiert. Mein ältester Sohn sagt immer, dass er mir immer verzeihen wird, selbst wenn es zwischen uns zu einer äußerst schwierigen Konfliktsituation käme. Ich habe ihm das Gleiche versprochen und ihm erklärt, dass wir alle nur Menschen sind, die Fehler machen. Damit mein Sohn mir jedoch meinen Fehler verzeihen kann, muss ich etwas tun, was vielleicht unmöglich erscheinen mag – ich muss mein kleines Kind um Verzeihung bitten. Manchmal mag es absurd oder sogar undenkbar erscheinen, dass ein großer Vater sich vor einen kleinen Jungen stellt und ihn um Verzeihung bittet, aber genau das tun wir in unserer Familie. Am Anfang war es für uns sehr schwierig, diese Kunst zu beherrschen. In unseren Elternhäusern hatte man uns das nicht beigebracht, denn früher entschuldigte sich ein Elternteil nicht bei den Kindern. Meine Frau und ich haben jedoch überlegt, dass, wenn wir uns bei unseren Kindern entschuldigen, egal wie alt sie sind, auch sie diese wunderbare Kunst erlernen werden.
Von Herzen vergeben
Ich erlebte einmal eine äußerst schwierige, aber (wie sich später erwies, Anm. d. Üb.) sehr wichtige Situation mit meiner ältesten Tochter, die damals etwa 10 Jahre alt war. Ich hatte sie schwer verletzt, und als ich sah, wie sehr sie meinetwegen litt, ging ich sofort vor ihr auf die Knie und bat sie um Vergebung. Ich sah, wie sehr ihr Herz darum rang, meine Entschuldigung anzunehmen und mir das Unrecht, das ich ihr angetan hatte, zu vergeben. Nach einiger Zeit kam ich im Gespräch mit ihr auf die Situation zurück und dankte ihr, dass sie mir so schnell verzeihen konnte, worauf sie überrascht fragte, welche Situation ich meine, denn sie hatte sie bereits vergessen. In diesem Moment spürte ich, dass man dies als Vergebung vom Herzen bezeichnen kann.
Ein anderes Mal kam ich nach einem äußerst schwierigen Gespräch mit Bekannten nach Hause. Ich konnte meine Sorge nicht verbergen, also begann Ania sofort, mich nach dem Grund meines Zustands zu fragen. Es ging um die engsten Verwandten aus ihrer Familie, daher wollte ich sie nicht mit dieser schwierigen Information belasten. Auf Drängen meiner Frau sagte ich jedoch, wen es betraf, aber nicht genau worum es ging. Dann brach ein Sturm los. Ania, verärgert über meine Antwort, oder besser gesagt, über das Ausbleiben einer Antwort, „ging an die Decke“. So hatte ich sie noch nie erlebt. Ich war entsetzt und hatte keine Ahnung, wie ich sie beruhigen konnte. Sie schrie mich an, versuchte um jeden Preis eine Antwort auf ihre quälenden Fragen zu bekommen. Als ich resigniert den Raum verließ, kam plötzlich eine Inspiration in mein Herz: „Nimm ihre Hände und bittet um Meine Anwesenheit.“ „Herrgott, aber wie?“ Ich fühlte, dass es unmöglich war, da Ania in einer solchen Aufregung war, dass sie mich sicherlich nicht anhören würde. Aber ich ging das Risiko ein und sagte es – und dass es überhaupt nicht meine Idee war. Sie schaute mich verwirrt an, ließ sich aber an den Händen fassen und begann, trotz allem mit mir zusammen die Anwesenheit des Herrn Jesus in unserer Mitte zu erbitten. Dann geschah ein Wunder. Augenblicklich kam Frieden über uns. Was unmöglich schien, wurde Wirklichkeit. Wir beruhigten uns beide, und obwohl das Problem noch da war, konnten wir beginnen, in Ruhe über die Situation zu sprechen und nach einer Lösung zu suchen.
Heute versuchen wir, unsere schwierige und doch schöne Erfahrung, die Gott uns geschenkt hat, mit anderen zu teilen, denn wir spüren in unseren Herzen, dass sie nicht nur uns vorbehalten ist, sondern allen, die im Glauben um die Gegenwart des Herrn Jesus beten, der von Anfang an in jeder sakramentalen Ehe gegenwärtig ist. Wir müssen nur unser Herz für sein Wirken in und durch uns öffnen, dann werden solche Wunder geschehen.
Jeder denkende Mensch fragt sich irgendwann im Leben: Was ist wahre Liebe? Seit einiger Zeit lesen meine Frau und ich die Tagebücher von Alicja Lenczewska, einer Mystikerin aus Stettin, der Jesus die Antwort auf diese Frage gab, indem er zu ihr sagte: „Lieben bedeutet, Gutes tun zu wollen und Gutes zu tun, ohne Rücksicht darauf, wer der andere ist und wie er sich zu mir und den Werten verhält, die ich anerkenne. Gutes tun, nur um des anderen willen. Alles zu geben und nichts für mich selbst zu wollen – mehr noch – alles zu verlieren, was mir gehört. Weise – um mit dem wahren Guten zu beschenken: um die Seele zu retten“ (Wort der Unterweisung, 263); „Den Nächsten zu lieben bedeutet nicht, seine Nähe zu wünschen und dass er deine Bedürfnisse und Wünsche erfüllt, sondern es bedeutet, sich um sein Heil und seine Heiligkeit zu kümmern, ihm Güte zu zeigen und Hilfe zu leisten sowie Erleichterung in den Mühen und Leiden des Alltags zu bringen“ (Wort der Unterweisung, 385).
Ania und Marek





