Heilung vom Gehirntumor

Als nach der Anbetung die Worte fielen: „Jesus möchte einen jungen Mann mit dunkelbraunen Haaren von einem Gehirntumor heilen“, erstarrte ich. Die Person, die diese Worte ausgesprochen hatte, fragte nach, ob sich jemand damit identifizieren würde. Als sich niemand meldete, hob ich schüchtern die Hand.

Es war das Jahr 2010 und wir waren verlobt. Monika war dabei, ihr Studium zu beenden und ich begann, meine Doktorarbeit zu schreiben. Schon während des Studiums hatte ich gesundheitliche Probleme. Früher musste ich mich einer Nebenhöhlenoperation unterziehen, eine lange Zeit hatte ich eine Nasenschleimhautentzündung, dann Operationen und starke Kopfschmerzen, die mich jeden Tag begleiteten und mich zwangen, viele Schmerzmittel einzunehmen, die nach einiger Zeit nicht mehr wirkten und mir zusätzlich Darmprobleme bereiteten. Ich nahm diese Symptome auf die leichte Schulter, doch meine Verlobte war beunruhigt wegen meines Gesundheitszustandes, besonders wegen meiner Kopfschmerzen. Schließlich ging ich zum Neurologen. Nach einer Routineuntersuchung sah der Arzt keine Notwendigkeit für weitere Diagnosen, aber Monika ließ nicht locker, und bestand darauf, dass ich wenigstens eine Überweisung für eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes bekomme. Und so wurde die Untersuchung durchgeführt. Bei der nächsten Sprechstunde zeigte ich dem Arzt die Ergebnisse der Untersuchung. Der Arzt betrachtete lange Zeit die Bilder der MRT und sagte kein Wort. Danach meinte er nur, die Ergebnisse seien sehr beunruhigend und überwies mich als Akutfall in ein Krankenhaus. Die neurologische Diagnostik brachte keine eindeutigen Ergebnisse, zeigte lediglich eine Veränderung im rechten Frontallappen in einer Größe von 2,7cm x 3,5cm. So kam ich auf die neurochirurgische Station. Es wurde eine Biopsie an der Stelle der Hirnläsion durchgeführt. Als mich der Arzt aus dem Krankenhaus entließ, wies er darauf hin, dass man die Veränderung kontrollieren und beobachten müsse. Er sagte aber auch, ich könne mich mit meinen Untersuchungsergebnissen an ein anderes Krankenhaus wenden, um eine Zweitmeinung einzuholen. Jedoch erwähnte er nicht, dass ich ein Glioblastom habe, also einen bösartigen Gehirntumor … In schlechter körperlicher und psychischer Verfassung kehrte ich nach Hause zurück. Bis dahin hatte ich, neben den starken Kopfschmerzen, keinerlei neurologische Ausfälle. Nach einer kurzen Rebellion – warum ich? – kehrte Frieden in meinem Herzen ein, dass es wohl so sein müsse. Monika war meine einzige, jedoch riesige Unterstützung. Ich suchte Hilfe bei verschiedenen Fachleuten. Die Meinungen waren geteilt: Ei­nige waren der Meinung, man solle den Tumor beobachten, andere rie­ten, ihn entfernen zu lassen.

Meine Doktorarbeit befand sich in der Schwebe, doch was unsere Lebenspläne anging, hatten wir keinerlei Zweifel. Die Ehe war etwas, dessen wir uns ganz sicher waren, trotz der Krankheit und der vagen Aussichten. Am 30. April 2011 heirateten wir kirchlich und zogen zu meinen Eltern aufs Land.

Endlich gelang es mir auch, einen Professor zu konsultieren, bei dem ich den Eindruck hatte, dass das, was er mir vorschlug, richtig war. Wir haben meinen OP-Termin festgelegt. Im Jahr 2012 kam die Zeit, ins Krankenhaus zu gehen. Und für meine Angehörigen, besonders für meinen Schwiegervater, die Zeit des eifrigen Gebets. Monikas Vater hatte schon früher meine OP der Allerheiligsten Mutter, während der Pompejischen Novene (im Bittteil), anvertraut und uns gesagt: „Ich habe mit Ihr verabredet, dass, wenn die OP gelingt, ihr (ich und meine Frau) den Dankesteil der Novene übernehmt.“

Trotz der Lebensgefahr, mit der solche Eingriffe immer verbunden sind, verlief meine OP sehr gut und schon am zweiten Tag konnte ich auf eigenen Beinen stehen. Es war gelungen, das Glioblastom 2. Grades vollständig zu entfernen, und ich hatte keinerlei neurologische Ausfälle. Als ich nach Hause zurückkehrte, erfuhr ich von meiner Frau von der Übereinkunft zwischen meinem Schwiegervater und Maria, doch es fiel mir sehr schwer zu beten. Ich kehrte mit Eifer zu meiner Doktorarbeit und zur Arbeit in der Landwirtschaft zurück. Noch im selben Jahr schenkte uns Gott einen wunderbaren Sohn – Julian.

Karl

Die Geburt von Julian war keine leichte Sache. Nach der Geburt bemühte sich die ganze Station, mein Leben zu retten, weil ich sehr viel Blut verloren hatte. Alles tat mir weh, alle paar Minuten wurde ich betäubt. Nach einigen Stunden beruhigte sich die Situation und ich wurde auf die Intensivstation gebracht. Ich hatte jedoch weiterhin Schwierigkeiten mit dem Atmen und konnte mich nicht bewegen. Plötzlich verspürte ich im ganzen Körper immer stärkere Schmerzen und zwar von Kopf bis Fuß. Ich dachte, meine Zeit hier auf der Erde neige sich dem Ende zu. In Gedanken sagte ich Gott, dass wenn meine Zeit gekommen sei, ich damit einverstanden wäre, dass er mich aus dieser Welt nimmt. Ich war ruhig und mit allem einverstanden. Da verbesserte sich mein körperlicher Zustand; ich atmete wieder normal und ich benötigte keinen Sauerstoff mehr. Es begann eine mehrstündige Transfusion von Blut und Plasma.

Es war kein Zufall, dass das Ganze an diesem Tag geschah. Es war der 8. September – der Geburtstag der Allerheiligsten Jungfrau Maria. Es war auch der Tag meiner Geburt zu einem neuen Leben, der Tag meiner tiefen Bekehrung. Ich betete alleine den von uns versprochenen Dankesteil der Pompejischen Novene. Karl hatte es versucht, hat aber schnell aufgegeben. Einige Zeit später, eines Abends, tauchten in meinem Herzen Worte auf, die mich dazu ermutigten, mich Maria ganz zu weihen. Die nächsten Monate hinweg las und betrachtete ich die Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria des hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort. Im Mai begann ich mit den Übungen, die der Weihe vorangehen sollten und weihte mich danach Jesus durch die Hände Mariens.

Monika

Nicht ganz zwei Jahre nach der Geburt von Julian kam unsere Tochter Viktoria auf die Welt. Im Dezember 2015 beendete ich meine Doktorarbeit mit Auszeichnung. Danach bekam ich starke Migräneanfälle, musste mich übergeben und fühlte mich psychisch und physisch schlecht. Am Anfang dachten wir, das wäre eine Reaktion meines Körpers auf den großen Stress, den ich hinter mir hatte. Doch es kam der Gedanke auf, sich untersuchen zu lassen. Es waren bereits vier Jahre vergangen, seitdem der Tumor bei mir entfernt worden war. Unsere Befürchtungen erwiesen sich als berechtigt – die Untersuchungsergebnisse wiesen darauf hin, dass sich das Glioblastom erneuet gebildet hatte. Der bekannte Professor ordnete eine sofortige Operation an. Im Juni 2016 kam ich auf dieselbe neurochirurgische Station wie zuvor, wo man eine Trepanation des Schädels durchführte und einen noch größeren Hirnbereich, der von Krebszellen befallen war, entfernte. Auch diese OP gelang hervorragend und ich funktionierte danach ganz normal. Die histopathologischen Untersuchungen wiesen jedoch daraufhin, dass, trotz der vollständigen Entfernung des Tumors, eine Strahlentherapie unumgänglich war. Die Art des Glioblastoms (3. Grad) war wie ein Urteilsspruch für mein ganzes Leben, der sich bald erfüllen könnte … Ich begann den für mich vorgesehenen Bestrahlungszyklus. Ich erinnere mich nicht mehr an vieles aus dieser Zeit; ich war ständig erschöpft, hatte Aggressionsausbrüche, einen ungehemmten Appetit und zusätzlich tauchten neue Funktionsstörungen auf. Ich konnte nicht einmal einen Tee zubereiten, konnte mich auch nicht richtig ausdrücken, hatte Konzentrationsstörungen, Bewusstseinsstörungen, das Gefühl, sich außerhalb des Körpers zu befinden, reagierte überempfindlich auf Licht, Geräusche oder Düfte. In dieser Zeit wurde ich für meine Frau zu einem weiteren, die meiste Aufmerksamkeit fordernden Kind in der Familie.

Nach Beendigung der Strahlentherapie kam noch eine einjährige Chemotherapie hinzu. Mein Gesundheitszustand wurde von Tag zu Tag schlechter. Wir planten sogar, welche Schritte meine Frau nach meinem Tod unternehmen sollte, denn die Behandlung sollte lediglich meinen Tod hinausschieben. Wir hatten uns beide mit dieser Situation abgefunden. Monika hat zum ersten Mal ganz bewusst und vollständig mein Leben Gott geweiht und vertraute darauf, dass Gott wusste, was das Beste für uns wäre. Meine Frau beschloss, an Exerzitien teilzunehmen, die 250 km von unserem Zuhause stattfanden. Schon beim zweiten Treffen hatte sie die Eingebung, sie sollte eifrig für meine Heilung beten. Sie tat alles, damit wir zusammen bei diesen Exerzitien sein konnten, als der Tag des Heilungsgebetes kam. An diesem Tag erfuhr ich zum ersten Mal etwas Unglaubliches: Als der Priester bei der Erteilung des Segens mit dem Heiligsten Sakrament an mir vorüberging, ließ Jesus mich seine physische Gegenwart spüren. Eine große Gnade spürbaren Segens ergoss sich über mich. Mein ganzer Leib wurde heiß und mein Herz schlug wie verrückt. Als nach der Anbetung die Worte fielen: „Jesus möchte einen jungen Mann mit dunkelbraunen Haaren von einem Gehirntumor heilen“, erstarrte ich. Die Person, die diese Worte ausgesprochen hatte, fragte nach, ob sich jemand damit identifizieren würde. Als sich niemand meldete, hob ich schüchtern die Hand. Meine Frau und ich bezogen diese Worte auf unsere gegenwärtige Situation.

Karl

Nach diesem Treffen veränderte sich jedoch der Gesundheitszustand meines Mannes keineswegs, ganz im Gegenteil – die Krankheit schritt voran … Ich entschied mich, ein letztes Mal an Exerzitien teilzunehmen. Ich bat um ein individuelles Gebet für meinen Mann. Während des Gebets spürte ich an der rechten Seite des Kopfes – an der Stelle, an der mein Mann den Gehirntumor hatte – ein sanftes, aber deutliches Kribbeln. Durch meinen ganzen Körper strömte eine Art von Strom und ein Zittern. Man überbrachte mir die Worte: „Und jene, die vor Ihm und hinter Ihm gingen, riefen: »Hosanna! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!« Ich kehrte nach Hause zurück und als ich entdeckte, wie mein Mann aussah, setzte ich mich vor Erstaunen hin: Die Besserung seines Zustands war mit bloßem Auge zu erkennen. Nach Beendigung der Exerzitien rief mich der Leiter der Gemeinschaft, der für mich gebetet hatte, an und überbrachte mir folgende Worte: „Du hast einen Gelähmten auf der Bahre des Gebets gebracht, deshalb wird er geheilt.“ Durch diese Worte wuchs mein Glauben an diese Heilung: Meine ganze Unsicherheit verschwand – ich wusste, dass mein Mann vollkommen gesund sein wird.

Die Heilung brauchte eine lange Zeit. Doch mit jeder Woche, die verstrich, war bei Karl eine unglaubliche Verbesserung des Gesundheitszustands sichtbar. Alle neurologischen Störungen hörten nach und nach auf, was vom medizinischen Standpunkt aus gesehen, nur schwer zu verstehen war. Mein Mann war nicht in der Lage, an die Heilung zu glauben und sie anzunehmen. Er erklärte es sich so, dass die Verbesserung seiner Gesundheit wahrscheinlich auf die Behandlung zurückzuführen sei. Ich war jedoch absolut davon überzeugt, dass es zu einem Wunder gekommen war, dessen Zeugin ich gewesen bin. Ich wusste, dass sich etwas ereignen musste, damit auch Karl daran glaubte!

Ein paar Monate später überredete ich meinen Mann, an Exerzitien teilzunehmen. Kurz vor Beginn der Exerzitien hatten wir beide seltsame Träume. Ich träumte, ich sei im Pfarrhaus meines Priesters und bestelle eine Dankmesse für die Heilung meines Mannes. Ich wachte auf und mir wurde bewusst, dass ich Gott noch kein einziges Mal für diese Heilung gedankt hatte. Karl wiederum träumte, dass er einen Priester treffe, der ihn fragte: „Was machst du hier?“ (auf der Erde), dann fügte er noch hinzu: „Ich habe dich im himmlischen Königreich getroffen.“ Als am nächsten Tag, während der Exerzitien, ein Priester den Saal betrat, erstarrte mein Mann vor Staunen. Erschüttert sagte er, dass es dieser Priester war, der ihm im Traum erschienen war. Während des Vortrags wurde Karl von der Gnade Gottes erfasst; er verstand und bekannte offen, dass er wirklich von Gott geheilt worden war.

Während des letzten Treffens bei den Exerzitien gab es ein Fürbittgebet. Karl wurde in die Kapelle vor das Bild der Allerheiligsten und Unbefleckten Muttergottes gebeten. Ein Priester und zwei Laien beteten für ihn. Eine dieser Personen sah während des Gebets das Bild einer Schnur mit Knoten, die zweite Person teilte Karl mit, dass er noch unerledigte Dinge zu tun hätte. Der Priester hingegen überbrachte Worte aus der Heiligen Schrift: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26) und sagte, Karl sollte über seine Berufung nachdenken. Mein Mann verstand am Anfang nichts davon, doch am Abend fiel es ihm ein, um welche unerledigte Sache es sich handelte: Er hatte den Dankesteil der Pompejischen Novene nicht gebetet. Das Bild einer Schnur mit Knoten verstand er natürlich als einen Rosenkranz. Wir beschlossen, sofort die Pompejische Novene zu beten.

Monika

Wie meine Frau bereits erwähnte, fing meine Heilung mit einem Fürbittgebet an, an dem ich selbst gar nicht teilnahm. Schon damals beteten viele Menschen für mich; jetzt weiß ich, welch große Macht dahintersteckt.

Meine Chemotherapie dauerte ungefähr ein Jahr, doch schon ganz am Anfang zeigte sich, dass das Glioblastom aufhörte zu wachsen. Bei weiteren Kontrolluntersuchungen schaute sich mein Neurologe lange das Bild der Computerresonanz an, worauf er feststellte, dass er keine Krebszellen entdecken könne. In dieser Zeit begann ich auch, mich Gott zu nähern, öfter die heiligen Sakramente zu empfangen und mich für das Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen. Wir sahen und fühlten das Eingreifen Gottes in unserem Leben. Ich begann, körperlich und geistig Frieden und Liebe zu empfinden. Ich weihte mich ganz, auch meine Krankheit, Jesus, weil ich dachte, dass Er einen Plan für mich hat und weiß, was das Beste für mich ist. Während eines persönlichen Bußgebets für alle meine Sünden fühlte ich, wie jemand mich physisch umarmte, die rechte Hand auf meine Schulter legte und zu mir sagte: „Ich bin bei dir. Ich liebe dich.“ Ich fühlte eine ungeheure Liebe, die man weder mit Worten beschreiben noch auf der Erde in Beziehungen mit anderen Menschen erfahren kann. Es war ein Gefühl, als ob ich überfüllt wäre mit mächtiger Liebe, sodass ich eine Zeit lang Gott bat, Er möge mich mit sich nehmen, weil ich einen Vorgeschmack des Himmels hatte … Doch Gott hatte andere Pläne für mich. Alles weist daraufhin, dass mich Jesus durch Maria geistig geheilt hat, damit er mich körperlich heilen konnte. Ich weihte mich der Muttergottes durch die Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria des hl. Ludwig Maria von Montfort.

Jetzt nehmen sogar unsere Kinder an charismatischen Treffen der Erneuerung im Heiligen Geist teil. Ich habe auch mit einem Freund eine männliche Rosenkranzgruppe gegründet und Monika war einer der Initiatoren der Gemeinschaft von Müttern, die für die Kinder unserer Gemeinde beten. Wir bemühen uns, mit Maria durchs Leben zu gehen und Sie nirgendwo außen vor zu lassen.

Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass Er mir so eine wundervolle Frau gegeben hat, die in schwierigen Zeiten bei mir ausgeharrt hat und mir wunderbare Kinder geschenkt hat. Ich danke Gott vor allem, dass Er solch einen Weg für mich gewählt hat, denn nur so konnte ich für das Leben in der Wahrheit von Neuem geboren werden.

Karl