Deutschland betet den Rosenkranz

Deutschland betet den Rosenkranz? JA! Tatsächlich! Jeden Mittwoch um 18 Uhr versammeln sich bis zu 20.000 Menschen an über 800 Orten auf öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Doch wie kam es zu diesem Phänomen?

Die strengen Restriktionen während der Pandemie im Herbst 2021 offenbarten tiefe gesellschaftliche Gräben sowie den Werte- und Glaubensverlust der letzten Jahrzehnte. Viele Gläubige erkannten darin den Weckruf Gottes: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5) und sahen die Zeit gekommen, öffentlich zu beten. Und tatsächlich entstanden im Advent 2021 einige Initiativen, die dazu aufriefen auf öffentlichen Plätzen, vor Kirchen, Mariensäulen und Kreuzen das Rosenkranzgebet für Einheit und Frieden zu beten. Als erster hatte der österreichische Unternehmer Louis-Pierre Laroche die spontane Idee, eine Telegram-Gruppe zu gründen, die zum Rosenkranzgebet einlud. Bereits nach einer Woche beteiligten sich 80 Orte an dieser Initiative.

Manfred Benkert, ein ehemaliger Projektmanager, der nach einigen „Umwegen“ zum tiefen Glauben fand, nahm schon lange den Werte- und Glaubensverfall in der Gesellschaft, auch in seinem Umfeld wahr. Die Pandemie machte den Riss, der durch unsere Gesellschaft, durch die Familien und sogar durch die Kirche ging für ihn nur noch sichtbarer und unerträglicher und so fragte er Gott: „Was kann ich tun?“

Am 1.Dezember 2021 erfuhr er von der Initiative „Österreich betet“ und sofort verspürte er im Herzen den Drang, ebenfalls einen solchen Aufruf in Deutschland zu starten. „Wenn jemand in dieser bedrückenden Zeit helfen kann, dann ist das die Friedenskönigin!“ Sofort gründete auch er eine Telegram-Gruppe, die bereits innerhalb eines Tages über 400 Mitglieder zählte.

Die ersten öffentlichen Rosenkranzgebete fanden bewusst am Fest Mariä Empfängnis, dem 08. Dezember 2021, statt und verzeichneten bereits an diesem Tag über 115 beteiligte Orte. Wie es der „Zufall“ so will, lebt Manfred Benkert in dem bedeutenden Marienwallfahrtsort Altötting. Der „Gebetsfunke“ sprang also von diesem besonderen Gnadenort auf ganz Deutschland über und entfacht immer noch das „Feuer“ des Rosenkranzgebetes.

Ein besonders beeindruckendes Element der Initiative ist der umgebaute Transporter, der eine sorgfältig gefertigte Replik der Madonna von Fatima trägt. Die Statue soll an die Friedensbotschaft von Fatima und an die Wichtigkeit des Rosenkranzgebetes erinnern. Manfred Benkert bereist mit dem Fahrzeug Städte und Gemeinden in ganz Deutschland, um dort mit den Menschen für Einheit und Frieden den Rosenkranz zu beten. Von besonderer Bedeutung sind die Prozessionen mit der Madonna, die die Initiative „Deutschland betet Rosenkranz“ an verschiedenen Brennpunkten der Nation, so zum Beispiel am Brandenburger Tor in Berlin, organisiert. Diese Veranstaltungen sind oft tief bewegend und ziehen Hunderte von Teilnehmern an, die in einer Zeit zunehmender Säkularisierung und sozialer Isolation Trost durch das Gebet in Gemeinschaft finden. Die Madonna begleitet auch Sternwallfahrten, die dazu beitragen, die Menschen erkennen zu lassen, wie wichtig und notwendig auch heute das Rosenkranzgebet zur Bewahrung bzw. zur Erlangung des Friedens ist.

Das Fahrzeug wurde von einer Dame aus dem Erzbistum Paderborn gestiftet. Herr Benkert erzählt: „Zunächst dachten wir für den Transport der Marienstatue an einen Anhänger, so wie er bereits bei einer Aktion in Frankreich genutzt wurde. Die Spenderin, lebt an einer stark befahrenen Straße und so konnte sie beobachten, wie Anhänger über die Unebenheiten des Weges ‚hoppelten‘. ‚Das ist der Muttergottes nicht würdig‘ entschied sie und so erwarb sie einen Transporter von einem Herrn, der das Fahrzeug als Campingbus ausbauen wollte, was er aus gesundheitlichen Gründen leider nicht realisieren konnte. Dieser Herr war zu Tränen gerührt, als er erfuhr, welchem Zweck sein Fahrzeug dienen werde.“

Dank der Hilfe der Muttergottes entwickelte sich die Initiative in den letzten Jahren zu einer bedeutenden spirituellen Bewegung innerhalb der katholischen Gemeinschaft Deutschlands. Heute beten zwischen 10.000 und 20.000 Personen an jedem Mittwoch um 18 Uhr an über 800 Orten den Rosenkranz.

Zusammenfassend sagt Manfred Benkert: „Durch das Beten in der Öffentlichkeit wollen wir die Kraft des Rosekranzgebetes wieder zurück in die Gesellschaft, Gott wieder zurück in die Herzen der Menschen bringen und das durch und mit Maria. Wir wollen ein Zeichen der Hoffnung in unserem Land setzen, das auch Menschen anziehen soll, die mit dem Glauben vielleicht nicht mehr viel zu tun haben, die nicht wissen, wie sie mit ihren Ängsten und Nöten umgehen sollen. Immer wieder bleiben Menschen spontan stehen und beten mit. Schon einige haben sich durch die Mittwochs-Rosenkränze dazu entschlossen, in die katholische Kirche überzutreten.

So wie sich die Lage in Europa und in der ganzen Welt entwickelt, gehen wir schweren Zeiten entgegen. ‚Not lehrt beten‘ heißt es im Volksmund und wir Menschen sind so gestrickt, dass wir uns Gott vor allem dann zuwenden, wenn wir Nöte spüren und mit unserem Latein am Ende sind. So Gott will wird die Initiative andauern, auch über die Notzeiten hinaus und mithelfen, den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens, den die Muttergottes von Fatima versprochen hat, einzuleiten.“ (Triumph des Herzens, Ausgabe Juni 2024)

Erinnern wir uns also an die einfachen und doch wichtigen Worte der Muttergottes, die sie am 13. Juli 1917 gesagt hat, nachdem die Kinder von Fatima eine Höllenvision erlebten: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen in der Welt begründen. Wenn getan wird, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden und es wird Frieden geben. Papst Benedikt XVI. hat am 13. Mai 2010 bei seiner Predigt in Fatima ein bedeutendes Wort gesagt: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet ist, der irrt sich.“ Fatima ist mehr als ein vergangenes Ereignis. Die Fatimabotschaft hat auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Quellen:
Manfred Benkert
Pater Klaus Holzer CP
Triumph des Herzens,
Ausgabe Juni 2024

ALTÖTTING

Seit mehr als 530 Jahren ist Altötting ein geistliches Zentrum Bayerns im Bistum Passau, einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte im deutschsprachigen Raum. Durch die Jahrhunderte haben Kaiser und Könige, Herzöge und Kurfürsten als Pilger aus verschiedenen Anlässen in Altötting geweilt. Die Geschichte der Schwarzen Madonna und damit der Wallfahrt in Altötting beginnt im Jahr 1489: Ein dreijähriger Junge ertrinkt, ein anderer wird von einem Wagen überfahren. Die verzweifelten Eltern bringen die Kinder nach der Bergung in die der Mutter Gottes geweihten Kapelle und legen sie auf den Altar. Dort beginnen sie für die Rettung der Kinder zu beten, worauf nach kurzer Zeit das Leben in die beiden toten Kinder zurückkehrte. Diese Vorfälle sprechen sich schnell herum und dem Wunder von Altötting schlossen sich seit jenem Ereignis unzählige weitere an. Seitdem pilgern Gläubige aus der ganzen Welt zu dem berühmten Marienbildnis. Darunter drei Päpste: Papst Pius VI. im Jahr 1782, Johannes Paul II. im Jahr 1980 und im Jahr 2006 Papst Benedikt XVI. Woher die geschnitzte Figur im Oktogon der Gnadenkapelle genau stammt, ist unklar. Vermutlich ist sie im Burgund entstanden und kam im Jahr 1330 nach Altötting.

Robert Kirchinger
Quelle: Website Inn Salzach