Der Drogenhölle entrissen

Die Drogenholle

Wir sollten die junge Generation so erziehen, dass sie mit Leidenschaft das Leben verteidigt. Wenn wir das tun, dann wird Abtreibung ein für alle Mal verschwinden.

In meiner Seele heulte die Einsamkeit. […] Aus der Tiefe meiner Seele kamen die Worte: „Gott, wenn es Dich gibt, wenn Du existierst, dann nimm mich entweder von hier weg oder ändere mein Leben!!!“

Während meiner gesamten Kindheit litt ich unter dem Fehlen von Familie und Liebe, insbesondere von Mutterliebe. Als ich zwei Jahre alt war, zogen meine Großeltern mit mir in die Karpatenregion nach Jasło. Meine Mutter blieb im Norden des Landes, wo sie später heiratete. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt.

Meine Großeltern liebten mich und erzogen mich katholisch. Ich besuchte die Kirche und den Religionsunterricht. Ich empfing das Sakrament der Erstkommunion und der Firmung. Acht Jahre lang war ich Ministrant. Leider bestand die Erziehungsmethode meiner Großmutter darin, mich zu blamieren, was sie oft vor Bekannten tat, so dass ich mich oft unter dem Tisch verstecken wollte. Ohne Mama und Papa hatte ich ein Gefühl der Ablehnung, das meine späteren Jahre prägte. Ich entfernte mich von den Menschen und flüchtete in die fiktive Welt der Bücher. Ich las Fantasy, Geschichten, Reportagen…. Meine Freunde spielten Fußball, kletterten auf Bäume, fuhren ins Ferienlager, während ich tonnenweise Bücher verschlang. Die Literatur war mein Zufluchtsort, aus dem ich meine Nase nur herausstreckte, wenn ich dazu gezwungen wurde. Gegen Ende der Grundschulzeit begann ich mich für Hippies zu interessieren und suchte nach Informationen über sie. Ich stieß auf eine Sammlung von Reportagen von Krzysztof Kąkolewski mit dem Titel „Jak umierają nieśmiertelni (dt.: Wie sterben die Unsterblichen, nicht auf Deutsch erschienen)“, unter anderem über Charles Manson. Dieses Buch wurde für mich das, was die Bibel für die Christen ist. Ich trennte mich nie von ihm, trug es immer bei mir wie einen Talisman. Es zeigte mir, dass das Wichtigste im Leben die Freiheit ist. Ich fühlte mich immer eingeschränkt: durch die Umstände, die Familie, durch Gott… Das Gefühl der Machtlosigkeit machte mich wütend: Ich wollte etwas nicht tun, musste mich aber beugen. Der Wunsch, von allen Zwängen, auch den gesellschaftlichen, befreit zu sein, erfüllte mich vollständig. Daher zog mich die Subkultur, insbesondere die der Hippies, so sehr an. Mit 15 Jahren erlebte ich eine Glaubenskrise. Etwas brach in mir zusammen. Es tauchten Zweifel auf, Fragen nach dem Sinn des Lebens, das Hinterfragen von Autoritäten. Trotz katholischer Erziehung und meines Dienstes als Ministrant warf ich Gott bewusst und sehr entschlossen aus meinem Leben. Es entstand eine Leere, die ich füllen musste. In der Oberschule boten sich Gelegenheiten: Partys und zusammen mit ihnen Alkohol. Dieser übertönte hervorragend das Gefühl der Sinnlosigkeit.

Musste ich trinken? Nein. Ich trank, weil ich wollte, weil das der Lebensstil vieler Oberschüler in Kleinstädten war. Das mag tragisch klingen, aber in der zweiten Hälfte der 70er Jahre war Alkohol das billigste und allgemein verfügbare Vergnügen. Wir hatten keine Kinos, keine Philharmonien, keine Theater – keine kulturellen Attraktionen. Der Alltag des Kommunismus war wenig ermutigend, die Perspektiven gering, und der Alkohol – meist von schlechter Qualität – griffbereit. So überstand ich die Zeit bis zum Abitur. Ich wollte studieren, dachte an Geschichte, die mich bis heute fasziniert, aber ich schaffte es nicht… denn zu dem Alkohol kamen noch Drogen hinzu. Damals kontrollierte uns niemand. Es kam vor, dass ich nach einem der sogenannten Drogentrips morgens aufwachte und zu Freunden ging, um von ihnen zu erfahren, was ich am Vortag gemacht hatte, weil ich einen Blackout hatte… Auf der Suche nach immer stärkeren Erlebnissen gelangte ich nach Rzeszów. Dort beobachtete ich in einem Schlupfwinkel drei Tage lang den Herstellungsprozess von „Kompot“ („polnisches Heroin“ selbsthergestellte Droge, die Morphin, Codein und Heroin enthält – Anm. d. Red.). Mit diesem neu erworbenen Wissen kehrte ich in meine Stadt zurück und begann das Leben eines Heroinsüchtigen. Von da an war mein ganzes Leben 20 Jahre lang den Drogen untergeordnet. Anfangs war es nicht nur die Sucht. Meine Freunde und ich fühlten uns anderen überlegen. Wir trafen uns zugedröhnt und sprachen stundenlang über gelesene Bücher, hörten Musik, diskutierten. Ja, es war eine Form des Protests, aber nicht gegen eine konkrete Situation. Andere protestierten bewusst und gezielt gegen das politische System der 70er und 80er Jahre, engagierten sich in der oppositionellen Bewegung. Wir streikten nicht, konspirierten nicht, nahmen nicht an Demonstrationen teil, obwohl wir die Welt um uns herum negierten. Wäre ich kein Drogensüchtiger gewesen, wäre ich wahrscheinlich Alkoholiker geworden.

Weder mit der polnischen noch mit meiner eigenen Realität kam ich zurecht. Ich war voller Komplexe, gestresst und schrecklich einsam. Ich brauchte irgendein magisches Allheilmittel, das mir half zu leben. Heroin erfüllte diese Rolle: Es brachte Entspannung, ohne die die Welt unerträglich war. Das ist der gefährlichste Moment, wenn einem klar wird, dass nur Alkohol oder Drogen einen glücklich machen können. Du bist deprimiert, hast das Gefühl, dass in deinem Leben nichts klappt, dass dein Leben totaler Mist ist, also gibst du dir sie Spritze und setzt die rosarote Brille auf. Für sechs, acht Stunden. Und dann? Dann musst du immer häufiger und immer mehr nehmen. Und schließlich gibt es keinen
Ausweg mehr…

Wenn einen der Drogenhunger zu beherrschen beginnt, gibt es nichts und niemanden, den man nicht für eine Dosis opfern würde. Ein Drogenabhängiger auf Entzug ist ein gefährlicher Verzweifelter, der vor nichts zurückschreckt. Jemand, der nie einen Drogenentzug erlebt hat, kann nicht verstehen, wovon ich spreche. Ich versuche es zu beschreiben: Wenn wir an einer starken Grippe erkranken, 40 Grad Fieber haben, Schmerzen in allen Muskeln und Knochen verspüren, Schweißausbrüche haben und Schlaflosigkeit uns quält, ist das ein schwerer Zustand. Multiplizieren wir nun die Intensität der Empfindungen mit vier, dann können wir uns ungefähr den Zustand eines Drogenabhängigen vorstellen. Je länger der Drogenkonsum, desto stärker und schmerzhafter ist der Entzug. Wenn ich kein Heroin bekommen konnte, durchlief ich die Hölle. Aber es kam mir nie in den Sinn, mit den Drogen aufzuhören. Nur die Momente in denen ich kollabierte oder die Hilfe von Freunden sowie von der Familie brachten mich zur Entgiftung, aus der ich oft flüchtete, um wieder Drogen zu nehmen, oft direkt vor dem Krankenhaus… Ich erinnere mich an eine meiner Ausbrüche: Nachdem ich die Station verlassen hatte, fand ich einen Freund, der mit Heroin handelte. Er hatte Ware, aber verunreinigt mit seinem Blut. Ich nahm es ohne zu zögern. Risiko? In Verzweiflung denkt ein Drogenabhängiger nicht daran. Weder wenn er für die Injektion Wasser aus einer Pfütze verwendet, noch wenn er die Spritze mit anderen teilt, noch wenn er sie blind in die Muskeln sticht, weil noch nicht einmal ein Zentimeter sichtbare Vene da ist… Es zählt nur, dass er noch vor einem Moment vor Schmerz starb, und jetzt, wenn die Droge in seinen Körper strömt, spürt er, wie das Leben zurückkehrt. Ein Drogenabhängiger hat keinen Selbsterhaltungstrieb… Ich habe für die Drogen und dank ihrer gelebt, obwohl ich wusste, dass sie mich gleichzeitig umbringen. Das Paradoxon des Drogensüchtigen! Ich habe vier Selbstmordversuche hinter mir. Es war jedoch immer jemand in der Nähe, der mich wiederbelebte oder den Rettungsdienst rief. Damals war ich diesen Menschen nicht dankbar.

Als ich noch bei meinen Großeltern wohnte, stellte ich selbst Heroin her, das so genannte polnische „Kompot“, und verteilte es kostenlos. In meiner Stadt wurde ich zum Staatsfeind Nummer eins. Für die Herstellung und Weitergabe von Drogen geriet ich mit dem Gesetz in Konflikt. In den 90er Jahren warfen mich meine Großeltern aus dem Haus. Ich zog zu meiner Mutter und meinem Stiefvater nach Kołobrzeg (Kolberg). Dort nahm ich natürlich weiter Drogen. Streitereien im Haus, Konflikte mit dem Stiefvater wechselten sich mit erfolglosen Entzugsversuchen in Monar-Zentren (Entzugskliniken) ab…

Der Herbst 1999 kam. Eines Tages geschah etwas, das ich bis heute nicht rational erklären kann. Das erste Licht im dunklen Tunnel meines Lebens erschien. Ich ging die Straße hinunter, völlig zugedröhnt. Plötzlich ging ich auf einen Mann zu, der mir entgegenkam. Es war ein Priester – für mich damals eine bedeutungslose, eher lächerliche als respektable Figur. Seit 25 Jahren war ich nicht in der Kirche, betete nicht, beichtete nicht und empfing keine Kommunion. Ich war Atheist. Mein Gott existierte nicht. Er ist gestorben. Er ist in den Heroinwolken verschwunden. Ich hatte den Glauben völlig verloren… Der Priester blieb stehen und begann, mit mir zu reden. Es stellte sich heraus, dass er sich um Drogenabhängige kümmerte und sie zur Gemeinschaft Cenacolo vermittelte, einer in Italien gegründeten Gemeinschaft, die jungen Drogenabhängigen hilft. Es war Pfarrer Wacław Grądalski, ein wunderbarer Priester. Er erkannte sofort, dass ich drogenabhängig war. Das Ergebnis dieser Begegnung war sein Kontakt zu meiner Mutter, die unter seinem Einfluss beschloss, mir ein Ultimatum zu stellen. Ich musste mich entscheiden: Entweder ich verliere alles – das Dach über dem Kopf, die Hilfe meiner Mutter und meines Stiefvaters, was bedeutet, dass ich auf der Straße lande, oder ich gehe nach Cenacolo, um mich von der Drogenabhängigkeit zu heilen. In Cenacolo gibt es keine pharmakologischen Behandlungen, keine Psychologen. Es gibt Gebet, Eucharistie und harte körperliche Arbeit sowie ein einfaches Leben in der Gemeinschaft. All das, was ich in meinem Leben nicht erlebt hatte.

Ich ging nach Cenacolo in Bosnien und Herzegowina, nach Medjugorje. Ich war von meinem Aufenthalt dort nicht überzeugt. Mit dem Geld, das ich von meiner Mutter bekam, kaufte ich einen Vorrat an Drogen. Nachdem ich eine Woche lang am Leben der Männergemeinschaft Cenacolo teilgenommen hatte, lief ich von dort weg. Ich hoffte, den ersten Bus nach Polen zu nehmen und meiner Mutter irgendwie meine Rückkehr zu erklären. Aber das war nicht einfach… Außerdem gingen mir die Drogen aus und der Entzug begann. Um ihn zu ertragen, trank ich Alkohol. Meine Qualen wurden immer schlimmer, zumal auch mein Geld ausgegangen war. Ich hatte keinen Platz zum Schlafen und nichts zu essen, ich sah aus wie ein Penner, und aus meinem Körper drang der Gestank von Drogen…. Ich beschloss, die Qualen zu beenden, zu irgendeinem Haus zu gehen, ein Stück Wäscheleine abzureißen und mich aufzuhängen….

Heute weiß ich, dass Gott andere Pläne für mich hatte. Am nächsten Tag traf ich „zufällig“ einen polnischen Franziskanerpater, der mich, als er sah, in welchem Zustand ich war, zu einer kleinen Gemeinschaft brachte, die von dem verstorbenen Pater Slavko Barbarić, einem kroatischen Franziskaner, geleitet wurde. Dieser außergewöhnliche Priester kümmerte sich um das, was ich als den größten Abschaum Europas bezeichnen würde. Alkoholiker, Drogenabhängige, Schläger – das waren seine Schützlinge. Ich sollte eine Woche lang bei ihm bleiben, dann versprach der polnische Franziskaner, mir bei der Rückkehr in mein Land zu helfen. Pater Slavko verlangte von mir, dass ich arbeite und die Messe besuche. Ich war nicht in der Lage zu arbeiten, aber aus Dankbarkeit und Respekt vor diesem Priester, dem ich Essen und einen Platz zum Schlafen zu verdanken hatte, ging ich zusammen mit dem mir zugewiesenen Betreuer zur Messe. Die Messe hatte für mich keine Bedeutung; ich saß da wie bei einer türkischen Predigt, und danach erlaubte mir mein Betreuer nach Hause gehen. Ich war erschöpft, aber trotz allem, ich weiß nicht warum, sagte ich ihm, dass ich bei der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments bleiben wollte, die gleich nach der Heiligen Messe stattfinden sollte. Wir saßen vor der Kirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, denn Medjugorje ist seit Beginn der Erscheinungen der Mutter Gottes ein Wallfahrtsort, den jährlich mehrere Millionen Menschen aus aller Welt besuchen. Durch die Übertragungen und Übersetzungen im Radio ist es möglich, an jeder Heiligen Messe und zahlreichen Andachten teilzunehmen. Die Anbetung begann. Ich saß auf einer Bank und war erschöpft.

Irgendwann stütze ich meinen Kopf auf die Hände und lehne mich auf die Bank vor mir. Der Priester, der die Anbetung leitete, betete. Es herrschte völlige Stille. Und in dieser Stille geschah plötzlich etwas Schreckliches und zugleich Unglaubliches mit mir. Eine völlige Dunkelheit überkam mich. Diese Dunkelheit war in meiner Seele und in meinem Herzen. Ich fühlte mich, als wäre ich der letzte Mensch auf Erden. In meiner Seele heulte die Einsamkeit. Es kam eine schwarze, grenzenlose Verzweiflung und eine panische Angst auf… Und dann, aus diesem Abgrund, aus dieser Schwärze, erhoben sich solche Worte aus der Tiefe meiner Seele: „Gott, wenn es Dich gibt, wenn Du existierst, dann mach etwas mit mir, denn ich habe keine Kraft mehr, so zu leben, ich will so nicht leben, ich habe genug davon! Wenn es Dich gibt, dann nimm mich entweder von hier weg oder ändere mein Leben!!!“. Ich weiß nicht, wie es geschah, aber in diesem Moment verschwanden plötzlich diese Dunkelheit und meine Verzweiflung! Es kam ein wunderbarer, seliger Frieden auf, wie ich ihn nie zuvor erlebt hatte! Dieser Frieden floss irgendwie von oben und erfüllte mich und meine kranke, gebrochene, drogensüchtige Seele. Der Schmerz und das Leiden waren nicht mehr zu spüren und der Drogenhunger verschwand! Ich fühlte eine unaussprechliche Erleichterung. Es waren die schönsten Momente meines Lebens. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich einfach in den Himmel geflogen. Keine Droge hatte mir jemals ein solches Gefühl von Glück und Frieden gegeben wie das, das ich damals erlebte. Ich war vollständig geheilt!

Die Anbetung war zu Ende. Wir gingen nach Hause. Ich ging und betete unaufhörlich: „Gott, ich bitte Dich sehr, dass mir Pater Slavko erlaubt, hier zu bleiben!“. Ich wollte nicht mehr nach Polen zurückkehren. Nie wieder in meinem Leben wollte ich Drogen nehmen. Gott erhörte meine Gebete – ich blieb in Medjugorje.

Beichte

Ich hatte so viel Böses, Schmutz und Sünden in mir, dass ich nicht glaubte, dass es auf der Welt einen Priester gibt, der die Nerven hat, meiner Beichte bis zum Ende zuzuhören. Ich war überzeugt, dass ich, sobald ich anfange zu erzählen, was ich im Leben getan habe, um Drogen zu bekommen, keine Absolution erhalten würde. Ich hatte Angst vor der Beichte wie der Teufel vor dem Weihwasser. Neben der Angst vor der Beichte verspürte ich jedoch auch Neid gegenüber den Mitbewohnern, die täglich die Heilige Kommunion empfangen konnten. Ich, ohne Beichte, konnte dieses Sakrament nicht empfangen. Und so, nach einer Woche voller Zweifel und innerer Kämpfe, siegte der Neid über die Sünde. Ich beschloss, zur Beichte zu gehen. Ich ging zu dem polnischen Franziskaner, der mich zuvor zu Pater Slavko gebracht hatte, und bat ihn um die Beichte. Ich hatte 25 Jahre lang nicht gebeichtet… Ich erzählte dem Priester die Geschichte meines Lebens. Ich warf alles aus mir heraus, den ganzen Schmutz, der meine Seele umhüllte. Ich ließ nichts aus. Überraschenderweise hielt der Beichtvater durch! Und dann tat er etwas, wovon ich nicht einmal zu träumen wagte und was ich mir nicht vorstellen konnte! Er gab mir die Absolution! Im Namen Gottes vergab er mir all das Böse, das ich in meinem bisherigen Leben getan hatte, und nach einem kurzen Gebet sprach er die Formel der Absolution aus. In diesem Moment schien sich all das Böse, das ich begangen hatte, die ganze Schuld für den Tod meiner Freunde und andere Vergehen – all das schien sich von mir zu lösen und mich nicht mehr zu betreffen. Ich fühlte mich leicht wie eine Feder! Man sagt manchmal, dass jemandem ein Stein vom Herzen fällt. In meinem Fall war es der „Mount Everest“! Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich wie ein freier Mensch. Als ich jung war, bevor ich mit den Drogen anfing, war ich ein Hippie. Damals träumte ich von Freiheit, doch diese Freiheit verstand ich als „tun, was man will, und für nichts verantwortlich sein“. Jetzt, nach den Worten der Absolution, fühlte ich, dass ich wirklich frei war. Eine solche Freiheit, die nur Gott einem Menschen geben kann. Niemand sonst.

Seit diesem Tag bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Nicht weil mein Leben leicht, einfach und angenehm geworden ist. Es ist es nicht, war es nicht und wird es nie sein. Ich falle und mache Fehler. Ich erinnere mich jedoch immer daran, dass im Beichtstuhl Gott auf mich wartet. Und dieser Gott vergibt mir immer alles. Es reicht, nur eine Sache zu tun: Hingehen und demütig an die Brust schlagen.

Bester Freund

Drogenabhängigkeit ist das Ergebnis der schrecklichsten Krankheit der Welt. Das sagte Mutter Teresa von Kalkutta über diese Krankheit. Diese Krankheit ist der Mangel an Liebe. Ich kenne diese Krankheit, denn genau daran litt ich. Mir fehlte die Liebe der Eltern. Die Großeltern, die mich großzogen, liebten mich wie verrückt, aber sie konnten die Eltern und deren Liebe nicht ersetzen. Vor 23 Jahren fand ich die Liebe. Die schönste Liebe der Welt. Eine verrückte, bedingungslose, gekreuzigte Liebe. Ich spuckte auf diese Liebe, verfluchte sie, und sie folgte mir mein ganzes Leben lang und wartete geduldig. Als ich verzweifelt um Hilfe rief, kam diese Liebe zu mir und heilte mich. Diese Liebe ist Jesus. Er ist der beste Freund und die einzige Quelle meines Glücks. Nicht das Geld, nicht die materiellen Dinge. Nur er. Jesus ist immer bei mir. In jedem Moment meines Lebens, sowohl in guten als auch in schwierigen Zeiten.

20 Jahre lang war ich ein lebender, wandelnder Leichnam. Ich aß, trank, nahm Drogen, stahl, aber in meinem Herzen war Dunkelheit und Leere. Nichts weiter. Erst Jesus füllte diese Leere mit seiner Liebe und erhellte diese Dunkelheit. Und das ist die Quelle meines Glücks. Ein Mensch, der nicht liebt und nicht geliebt wird, ist ein Leichnam. Es gibt kein Leben ohne Liebe. Und Jesus ist Liebe, daher ist die wichtigste Sache im Leben die Liebe. „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte […]; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts“ (1 Kor 13,1-2).

Ich vertraue Jesus einfach völlig

Ich fühle immer Gottes Schutz. Was auch immer ich brauche und Gott darum bitte, bekomme ich. Ich bitte jedoch nur um das, was ich wirklich brauche. Selbst wenn alles menschlich gesehen zusammenbricht, weiß ich, dass auf den Trümmern dieser „Gebäude“ noch schönere entstehen werden. Ich habe Jesus einfach vollkommen vertraut. Man kann ihm nicht teilweise vertrauen. Entweder vertraut man Jesus zu hundert Prozent oder gar nicht. Ich vertraue ihm zu hundert Prozent und deshalb bin ich ein glücklicher Mensch! Er gibt mir alles, was ich brauche. Oft bete ich zu ihm: „Herr Jesus, ich danke Dir für das, was Du mir gibst, und für das, was Du mir nicht gibst! Denn Du weißt besser als ich, was ich brauche!“. Wenn man Gott zu hundert Prozent vertraut, geschehen im Leben eines Menschen Wunder. Es geht nicht um große, spektakuläre Ereignisse, sondern um alltägliche, kleine Wunder, die wir gerne Zufälle nennen, aber sie sind Wunder der göttlichen Vorsehung. Ich entscheide nicht über mein Leben. Mein Leben wird von Jesus und der Mutter Gottes gelenkt. Ich kann nur eines tun – Gott sagen: „Dein Wille geschehe!“ und tun, was er will. Solange ich das tue, ist Frieden in meinem Leben und ich bin glücklich. Über 20 Jahre lang agierte ich ohne Gott und was kam dabei heraus? Eine einzige große Katastrophe. Seit 23 Jahren agiere ich nicht mehr. Ich habe mein Leben Gott übergeben und bin daher glücklich. Mit Gott ist alles möglich. Wenn man betet und Gott vertraut, kann man alles erreichen, aber nur mit Gott. Alleine ist es sehr schwer.

Heute arbeite ich im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau, nahe beim Herrn. Ich führe eine glückliche Ehe mit einer Journalistin, die ich in Medjugorje kennen gelernt habe. Meine Beziehung zu meiner Mutter hat sich so sehr verbessert, dass ich heute zu ihr sagen kann: „Mama, ich liebe dich“, was ich mein ganzes früheres Leben nicht sagen konnte, weil ich ihr so böse war, dass sie mich verlassen hatte. Meine Heilung, die in einem Bruchteil einer Sekunde geschah, als ich Gott aus der Tiefe meiner Seele diese schreckliche Einsamkeit und den Mangel an Liebe entgegenschrie, trägt heute Früchte. In den 20 Jahren meines Dienstes in Medjugorje und jetzt, wo ich in Polen lebe, gebe ich den Menschen Zeugnis von der Liebe Gottes zu uns allen. Ich weiß mit Gewissheit, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet, weil er ein liebender Vater ist. Alles, was wir tun müssen, ist, ihn um Hilfe zu bitten, und er wird sie uns nicht verweigern! Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein offenes Herz. Keine Spekulation, kein Wissen über ihn, sondern das eigene Herz zu öffnen und ihm vollständig zu vertrauen. Sein Leben Gott anzuvertrauen! Das öffnet seine unglaubliche Barmherzigkeit für uns, die auch ich erfahren habe.

Wiesław